5. Teilstrecke vom 25. September 2025

Streckenlänge: 105 Kilometer / 2’700 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (5 Tagesetappen): 490 km / 11’600 Höhenmeter

Heutige Pässe: Col de Marie-Blanque (9. Pass / 1’035 Meter hoch / beidseitig befahren) und Col d’Aubisque (10. Pass / 1’709 Meter hoch / erst von Westen her befahren)

Beim Col de Marie-Blanque gilt es von Westen her einen Höhenunterschied von rund 700 Metern zu überwinden. Der Anstieg im unteren Teil ist sanft. Oben beträgt das Gefälle dann aber über mehrere Kilometer hinweg um die zwölf Prozent, was ich als anstrengend taxiere. Von Osten her ist der Pass dagegen leicht zu bewältigen. Die Höhendifferenz beträgt hier rund 600 Meter, die Steigung beläuft sich auf maximal acht Prozent. Rund vier Kilometer vor der Passhöhe erreicht man das Plateau du Bénou, ab dem die Strasse nur noch wenig ansteigt. Mit einer Höhe von 1’709 Metern ist der Col d’Aubisque der zweithöchste Pass der Route des Cols. Gestartet wird in Laruns auf gut 500 Metern Höhe. Die Steigung beträgt nirgends mehr als zehn Prozent, so dass die Westaufstieg zwar lang, aber nicht sehr schwer ist.

Col d’Ichère (8. Pass)

24. September 2025 / Frankreich / Col d’Ichère / Passhöhe

Auf den meisten Pässen gibt es ein Restaurant, einen Kiosk oder zumindest Parkplätze. Nicht so auf dem Col d’Ichère. Hier gibt es lediglich einen Strich auf der Strasse und eine Passtafel. Ça suffit. Gut, der Col d’Ichère ist auch bloss 674 Meter hoch und hat weder ein Panorama noch sonst etwas Sehenswertes zu bieten. Daher nichts wie weiter.

Schmale Strasse

24. September 2025 / Frankreich / Col de Labays / Nordostseite

Normalerweise sind die Strassen in Frankreich recht breit. Die Strasse auf den Col de Labays ist es nicht. Praktisch auf den ganzen fünfzehn Kilometern ist die Passstrasse bloss ein schmales Asphaltband, auf dem ein Auto und ein Fahrrad gut nebeneinander vorbeikommen, nicht aber zwei Autos. Kreuzen sich zwei Personenwagen, muss mindestens einer neben die Strasse ausweichen. Das ist aber nicht weiter schlimm. Der Col de Labays wird nur wenig befahren. Ausweichmanöver sind daher eher selten. Heute war der Verkehr auf den Passstrassen ohnehin bescheiden. Den ganzen Tag über ist mir genau ein einziger Fahrradfahrer begegnet, was aussergewöhnlich ist.

Col de Labays (7. Pass)

24. September 2025 / Frankreich / Col de Labays / Nordostseite

Landschaftlich war der Col de Labays der bisher schönste Pyrenäenpass. Unten führt die Strasse zuerst durch eine nicht allzu enge Schlucht. Dann folgt sie längere Zeit einem kleinen Fluss, um dann kontinuierlich steiler anzusteigen. Im oberen Teil fährt man praktisch ausschliesslich durch Laubwälder. Der blaue Himmel auf dem Foto täuscht ein wenig. Heute war es mehrheitlich stark bewölkt. Die Sonne zeigte sich erst am späteren Nachmittag.

Sportlicher Vierbeiner

24. September 2025 / Frankreich / Col du Soudet / Passhöhe

Auch diese Kuh hat die gut 1’500 Höhenmeter auf den Col du Soudet bewältigt. Châpeau, das muss man mit ihrem Gewicht erst einmal schaffen. Kein Wunder, dass sie sich stolz vor das Passschild stellte und sich bereitwillig ablichten liess. Die saftigen Alpenkräuter hat sie sich wahrlich verdient.

Col du Soudet (6. Pass)

24. September 2025 / Frankreich / Col du Soudet / Westseite

Von der Länge her ist der Col du Soudet (gut 1’200 Meter Höhenunterschied) dem Chasseral (knapp 1’200 Kilometer Höhenunterschied) recht ähnlich. Die Topographie ist aber eine andere. Unten ist der Col du Soudet lange Zeit recht flach, weist dann aber im oberen Abschnitt steile Rampen auf. Die Landschaft hier in den Pyrenäen ist auch um einiges rauer als am Südrand des Juras und die Strassen schlechter. Auch auf der Passhöhe gibt es signifikante Unterschiede. Vom Chasseral aus hat man in alle Richtungen eine wunderbare Aussicht. Diese fehlt auf dem Col du Soudet weitgehend. Hier zweigt die Strasse in eine andere Strasse ein, die zum höher gelegenen Col de Pierre Saint-Martin (1’765 Meter) und gleich danach nach Spanien führt. Ein schönes Panorama wäre heute aber eh nutzlos gewesen. Auf dem Pass war es trüb und die Sichtweite sehr beschränkt.

4. Teilstrecke vom 24. September 2025

Streckenlänge: 76 Kilometer / 2’500 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (4 Tagesetappen): 385 km / 8’900 Höhenmeter

Heutige Pässe: Col du Soudet (6 Pass / 1’533 Meter hoch / beidseitig befahren), Col de Labays (7. Pass / 1’533 Meter hoch / beidseitig befahren) und Col d’Ichère (8. Pass / 674 Meter hoch / beidseitig befahren).

Der Aufstieg zum Col du Soudet war bisher der längste. Von Westen her kommend steigt er von 300 auf 1’533 Meter an. Unten ist es recht flach, im oberen Sektor hat es dann einige steile Passagen. Der Col de Labays ist eigentlich nur von Nordosten her eine Passstrasse. Von Westen her ist der Pass ein Abzweiger von der Soudet-Strasse, so dass man Null Höhenmeter zu bewältigen hat. Dafür ist der Pass von Nordosten her kommend recht lang (15 Kilometer), aber nirgends überaus steil. Der letzte Pass des heutigen Tages, der Col d’Ichère, ist „bloss“ 674 Meter hoch und von beiden Seiten her relativ einfach zu bezwingen. Die Landschaft in den Pyrenäen ist rau, und so war heute auch das Wetter. Meist war es stark bewölkt und kalt. Aber solange es nicht regnet ist alles gut.

Vorsicht vor Tieren

23. September 2025 / Frankreich / Larrau / Kühe nordöstlich von Larrau

In vielen Gegenden in den Pyrenäen zählen die Strassen zum Weideland. Speziell bei den Abfahrten ist daher Vorsicht geboten, da man immer wieder auf Tiere trifft, die sich am Rand oder mitten auf der Strasse aufhalten. Am meisten sieht man Schafe. Aber auch Kühe und Pferde trifft man wiederholt an. Ja sogar einem einsamen Pony bin ich gestern begegnet. Kühe und Pferde sind einigermassen berechenbar, weil sie unbeirrt ihren Weg gehen und nur selten ausscheren. Gefährlich sind Schafe, weil diese plötzlich in Panik geraten können (speziell dann, wenn die Scheibenbremsen nass sind und quietschen) und dann irgendwo hinrennen. Bei einem Crash gäbe es wohl ausschliesslich Verlierer.

Hilfestellung für Fahrradfahrer

23. September 2025 / Frankreich / Col Bagargui / Ostseite

Bei vielen französischen Pässen steht Kilometer für Kilometer ein Schild, das die aktuelle Höhe, die verbleibende Distanz und die durchschnittliche Steigung auf dem kommenden Kilometer anzeigt. Ich mag diese Schilder, weil man so sieht, wo man steht (beziehungsweise fährt) und sich die Kräfte etwas besser einteilen kann. Wenn dann allerdings angezeigt wird, dass die durchschnittliche Steigung auf dem nachfolgenden Kilometer 13 Prozent beträgt, dann ist das wenig erbauend. 13 Prozent im Schnitt sind wirklich steil. Persönlich kenne ich nur drei Schweizer Pässe, die noch steiler sind: der Weissenstein, der Balmberg und die Muotathaler Seite des Pragelpasses. Beim Pragelpass beträgt die Steigung über viele Kilometer hinweg um die 16 Prozent. Gut, dass ich ihn diesen Sommer gefahren bin (oder besser gesagt mich heraufgewürgt habe). So kann ich mir bei den steilen Pyrenäensanstiegen immer sagen, dass diese nur halb so schlimm sind und dass ich in diesem Sommer schon steilere Strecken bewältigt habe. Als Radfahrer muss man sich immer etwas selber überlisten.

Col Bagargui (5. Pass)

23. September 2025 / Frankreich / Col Bagargui / Ostseite

Der Col Bagargui ist der fünfte Pass, den ich befahren habe. 29 warten noch. Ab morgen wird es einfacher. Nicht das Hochfahren der Pässe wird einfacher, sondern das Aussprechen deren Namen. Der Col Bagargui ist nämlich der letzte Pass mit einem baskisch anmutenden Namen (im lokalen baskischen Dialekt heisst er Bagergiak). Ab morgen tragen die Pässe dann französisch klingende Namen, die man sich einfacher merken kann. Allmählich komme ich zudem zu den Pässen, die von der Tour de France regelmässig befahren werden und die man daher aus den Medien kennt. Wenn ich Glück habe, wird aber nicht nur die Aussprache einfacher, sondern auch die Steigungen. Denn der Ostaufstieg des Col Bagargui war wirklich steil. Wenn mehrere Motorradfahrer das Daumenhoch-Zeichen machen, dann will das etwas heissen.