Hopo hat Besuch

11. Mai 2026 / Rumänien / Cerneti / Übernachtungsplatz

Die Übernachtungsplätze teile ich in drei Kategorien ein: schöne, praktische und Notplätze. Die Schönen liegen meist am Wasser oder an Orten mit toller Aussicht oder speziellem Ambiente. Die Praktischen sind ruhig und gut gelegen. Die Notplätze sind weder schön noch ruhig, sondern werden belegt, weil es nichts Besseres gibt. Der heutige Platz fällt in die Kategorie „praktisch“. Es ist ruhig hier, wir stören niemanden und die Stadt Drobeta, die ich morgen besuchen will, liegt nahe. Der Platz hat aber doch noch eine spezielle Note erhalten, weil plötzlich ein Pferdefuhrwerk hinter uns Halt machte. Der Fuhrmann sprach so viel Englisch wie ich Rumänisch. Dennoch war er sehr mitteilsam. Verstanden habe ich kaum etwas, aber irgendwie hatten wir es gleichwohl lustig. Die nahegelegene Stadt Drobeta wird die letzte sein, die ich in Rumänien besuche. Danach wechsle ich auf die andere Seite der Donau nach Serbien, wo ich rund vier Tage bleiben möchte.

Auch das kann es geben …

11. Mai 2026 / Rumänien / Tismana / Kloster

Im Frauenkloster Tismana habe ich heute hauptsächlich Männer angetroffen. Bauarbeiter. Sowohl die Innenräume der Klosterkirche als auch deren Fassade werden im Moment einer umfassenden Sanierung unterzogen. Vom Kloster Tismana, das das älteste noch bestehende orthodoxe Kloster in der Walachei ist und zu den schönsten des Landes zählen soll, habe ich daher fast nichts mitbekommen. „Berufsrisiko“ könnte man meinen. Wer viele Sehenswürdigkeiten aufsucht, riskiert, dass gelegentlich die eine oder andere geschlossen oder nur eingeschränkt zugänglich ist. Auf dieser Reise war das nun wiederholt der Fall. In der Türkei waren einige Sehenswürdigkeiten nicht zugänglich, weil es zu viel Schnee hatte. Andere waren saisonal geschlossen. Das ist natürlich immer schade. Andererseits hat man damit zusätzliche Argumente, um nochmals in die Gegend zu kommen.

Kloster Horezu

11. Mai 2026 / Rumänien / Horezu / Kloster

Der heutige Tag war ein Klostertag: Bei einem Kloster habe ich übernachtet, zwei andere Klöster habe ich besucht. Die Nacht beim Kloster Turnu war total ruhig. Kurz vor dem Eindunkeln zogen noch ein paar Kühe neben Hopo vorbei, heute Morgen kamen sie wieder aus der anderen Richtung. Sonst hat man kaum etwas gehört. Am Vormittag habe ich das Kloster Horezu besucht, das als Meisterwerk der rumänischen Renaissance gilt und seit über dreissig Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Das Kloster besticht durch feine Steinmetzarbeiten und eine Vielzahl prächtiger Fresken. Einmal mehr ein sehr lohnender Besuch.

Kloster Turnu

10. Mai 2026 / Rumänien / Turnu / Kloster

Kloster Turnu habe ich primär aufgesucht, weil es in dessen unmittelbarer Nähe einen guten Übernachtungsplatz gibt. Das Kloster liegt am Rande steiler Berge in einer Waldlichtung, ist aber architektonisch wenig interessant. Zudem wird die grosse Klosterkirche umgebaut und kann nicht besichtigt werden. Also nichts Spezielles. Und trotzdem hat das Kloster für mich noch eine spezielle Bedeutung erlangt. Als ich am Kochen war, sah ich plötzlich einen Mönch, der Hopo aufmerksam betrachtete und mir zuwinkte. Ich stieg aus und wir kamen ins Gespräch. Der sechzigjährige Mönch war zwanzig Jahre lang Lastwagenfahrer und hat in dieser Zeit immer von einem Wohnmobil geträumt. Jetzt ist er seit zwanzig Jahren Mönch. Er erzählte mir ein wenig aus seinem Leben und vor allem viel von der Geschichte der Klöster in Rumänien und Moldawien (er selbst stammt aus der Moldau) und dem Einfluss der Osmanen und der Russen auf den hiesigen Glauben. Hochinteressant und ein spezielles Erlebnis mehr auf meiner spannenden Reise.

Cisnadioara (Michelsberg)

10. Mai 2026 / Rumänien / Cisnadioara / Wehrkirche

In den letzten Tagen habe ich in Siebenbürgen einige Wehrkirchen gesehen. Keine wies auch nur annähernd so dünne Schutzmauern auf wie jene von Cisnadioara, zu der ich heute Nachmittag hochgestiegen bin. Das Schutzkonzept hier war ein anderes. Die dreischiffige Basilika wurde zuoberst auf einem Hügel mit recht steilen Flanken erbaut. Jeder junge Mann im Dorf, der heiraten wollte, musste zuerst einen schweren, runden Stein den Berghügel hochstemmen. Im Ernstfall liess man diese schweren Steine auf die Angreifer nieder donnern. Die Basilika wurde Ende des 12. Jahrhunderts errichtet und gilt als die älteste erhaltene romanische Basilika der Region. Zu ihr hochzusteigen ist nicht ganz ohne. Die Anstrengung lohnt sich aber.

Strohdächer

10. Mai 2026 / Rumänien / Sibiu / ASTRA Freilichtmuseum

Im Freilichtmuseum ASTRA gibt es über 400 Gebäude zu bestaunen, darunter historische Bauernhöfe, Werkstätten, Windmühlen, Wasser- und Ölmühlen sowie Holzkirchen aus ganz Rumänien. Viele Häuser können von innen besichtigt werden. Besonders gut gefallen haben mir die Häuser mit Strohdächern, von denen es im ASTRA mindestens zehn gibt.

Freilichtmuseum ASTRA

10. Mai 2026 / Rumänien / Sibiu / ASTRA Freilichtmuseum

Sechs Kilometer ausserhalb von Sibiu kann man das Freilichtmuseum ASTRA besuchen. Mit einer Fläche von 96 Hektar ist es eines der grössten Freilichtmuseen Europas. Und es ist eines der schönsten – wenn nicht gar das schönste – Museen dieser Art, das ich je gesehen habe. Das ASTRA zeigt die traditionelle bäuerliche Kultur Rumäniens, die viel zu bieten hat. Wer Sibiu besucht, sollte unbedingt auch das ASTRA besuchen. Es lohnt sich, ich war begeistert.

Die Augen von Sibiu

10. Mai 2026 / Rumänien / Sibiu / Kleiner Ring / Augen von Sibiu

Die „Augen von Sibiu“ sind das architektonische Wahrzeichen der Stadt Sibiu (Hermannstadt). Es handelt sich dabei um charakteristische, augenförmige Dachgauben, die den Passanten das Gefühl geben, von den Dächern herab beobachtet zu werden. Ursprünglich dienten diese Fenster aber nicht zum Hinausschauen, sondern als Belüftungssystem für die Dachböden. Eine lokale Legende besagt, dass die Augen die Stadt bewachen und man sich lieber nichts zuschulden kommen lassen sollte. Dem bin ich selbstverständlich nachgekommen und habe mich absolut korrekt verhalten. Wobei: Das mache ich ja immer.

Sibiu (Hermannstadt)

10. Mai 2026 / Rumänien / Sibiu / Grosser Ring und Katholische Kirche

Das Wetter hat wieder umgeschlagen. Bei strahlend schönem Sonnenschein habe ich heute Morgen Sibiu besucht. Sibiu ist eine der bedeutendsten und malerischsten Städte in Siebenbürgen. Die Stadt ist bekannt für ihr gut erhaltenes mittelalterliches Zentrum. Die Altstadt gilt als eine der schönsten Europas. 2007 ist Sibiu zudem zur Kulturhauptstadt Europas gekürt worden. Der Grosse Ring mit dem Rathaus, der Katholischen Kirche und prachtvollen Gebäuden aus dem 14. und 15. Jahrhundert bildet das Herz der Stadt. Dass der Platz fast menschenleer ist, hat damit zu tun, dass ich früh unterwegs war. Zwei Stunden später sah es hier ganz anders aus.