
Reiseroute östlicher Balkan




13. Mai 2026 / Serbien / Belgrad / Festung
Die serbische Hauptstadt Belgrad wird oft als das „Berlin des Balkans“ bezeichnet, weil es als vielfältigste Stadt Osteuropas gilt und eine ähnliche kreative Energie, kulturelle Diversität sowie ein lebendiges Nachtleben wie Berlin bieten soll. Belgrad habe ich tatsächlich als sehr lebendig erlebt. Es gibt viel Verkehr und überall bewegt sich etwas. Speziell gut gefallen hat mir die serbische Hauptstadt aber nicht. Es gibt zwar etliche durchaus sehenswerte Bauten wie etwas die abgebildete Festung. Überragendes ist aber nicht darunter. Zudem sind die Distanzen zwischen den „Highlights“ eher gross (analog Ankara). Die Haupteinkaufsstrasse, die als lebendige Fussgängerzone angepriesen wird, empfand ich als eher langweilig. Gut verständlich ist das Ticketing-System im öffentlichen Verkehr. Mit Ausnahme der Flughafenlinie und einiger Spezialbusse ist der ganze öffentliche Verkehr gratis. Und ich habe mich mit den verschiedenen Bus- und Tramlinien auf Anhieb gut zurechtgefunden, was in einer Stadt mit 1,7 Millionen Einwohnern nicht selbstverständlich ist.


13. Mai 2026 / Serbien / Belgrad / Dom des Heilgen Sava
Neben der Festung ist der Dom des Heiligen Sava die zweite Hauptsehenswürdigkeit der serbischen Hauptstadt Belgrad. Der Dom ist eines der grössten orthodoxen Gotteshäuser der Welt und das architektonische Wahrzeichen Serbiens. Die monumentale Kirche im neobyzantinischen Stil prägt die Skyline der Stadt und dient als spirituelles Zentrum des Landes. Der Dom wirkt tatsächlich sehr mächtig, aber von aussen nicht so beeindruckend wie andere Kirchen, die ich in den letzten Monaten auf dem Balkan gesehen habe. Fasziniert hat mich hingegen der Innenraum, der mit über 15.000 Quadratmetern Mosaiken aus Gold und Glas ausgekleidet ist. Es soll sich weltweit um die grösste Mosaikdarstellung handeln. Wenn man sich jedes Detail genauer anschauen will, ist man einige Zeit beschäftigt.


12. Mai 2026 / Serbien / Semendria / Festung
Gestern war ein Klostertag, heute ein Festungstag. Sowohl im rumänischen Drobeta als auch in den serbischen Städten Golubac und Semendria sind Festungen die Hauptsehenswürdigkeiten. Die Festung Semendria ist eine bedeutende mittelalterliche Wasserburg, die zwischen 1427 und 1430 erbaut wurde. Sie diente als Bastion gegen das Osmanische Reich, bevor sie dann selbst osmanisch wurde. Die Festung war im 1. und 2. Weltkrieg Schauplatz schwerer Kämpfe und wurde dabei schwer zerstört. Semendria, wo ich meine erste Nacht in Serbien verbringen werde, ist nur noch rund fünfzig Kilometer von Belgrad entfernt. Die serbische Hauptstadt werde ich mir morgen anschauen. Das dann hoffentlich wieder bei deutlich besserem Wetter.


12. Mai 2026 / Serbien / Golubac / Festung
Die Festung Golubac ist eine der besterhaltenen mittelalterlichen Festungsanlagen Europas und thront imposant am Eingang zum Eisernen Tor, dort, wo die Donau ihre engste Stelle erreicht. Die Anlage besteht aus einer Ober- und Unterburg mit insgesamt zehn massiven Türmen, die durch bis zu dreissig Meter hohe Mauern verbunden sind. Aufgrund ihrer strategischen Bedeutung war sie über Jahrhunderte Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen Serben, Ungarn, Osmanen und Österreichern. Heute ist sie ein touristisches Highlight mit Museum und verschiedenen Besucherzonen, das ordentlich Leute anzieht.


12. Mai 2026 / Serbien / Tekija / Eisernes Tor
Das Eiserne Tor ist eines der imposantesten Durchbruchstäler Europas, in dem die Donau die Karpaten durchbricht. Es bildet die natürliche Grenze zwischen Serbien und Rumänien und erstreckt sich über eine Länge von etwa hundertzehn Kilometern. Früher galt dieser Abschnitt aufgrund von Felsen und Stromschnellen als gefährlichster Teil der Donau. Heute ist der Fluss durch Staudämme reguliert, was die Schifffahrt erleichtert und eine beeindruckende Seenlandschaft geschaffen hat. Von der Grenze bis zur Festung Golubac durfte ich heute während gut hundert Kilometern der Donau entlang fahren. Eine richtig Genussstrecke: gute Strassen, wenig Verkehr, und das stets in Flussnähe. Herrlich!


12. Mai 2025 / Serbien / Tekija / Statue des Dakerkönigs Decebalus
Westlich von Drobeta habe ich heute Vormittag bei einem Kraftwerk die Donauseite gewechselt und bin nach Serbien eingereist. Seit Ende November war es das fünfundzwanzigste Mal, dass Hopo eine Grenze überquert hat. Die drei ersten Übertritte nach Italien, Slowenien und Kroatien verliefen so, wie wir es uns in Westeuropa gewohnt sind: einfach durchfahren, ohne jede Kontrolle. Seither erfolgt aber bei jeder Zollstation eine gründliche Kontrolle der Ausweise und Hopo wird immer mehr oder weniger eingehend inspiziert. Und das immer von den Zöllnern vom Ausreise- und vom Einreiseland. In der Regel dauert der ganze Spuk jeweils unter einer Stunde. Am gründlichsten nahmen es die Türken, die sich zweidreiviertel Stunden lang Zeit nahmen, um unsere Papiere und Hopo eingehendst zu kontrollieren. Der heutige Übertritt, der bloss rund dreissig Minuten dauerte, verlief zum Glück sehr speditiv. Die abgebildete Statue des Dakerkönigs Decebalus, die ich kurz nach der Grenze zu sehen bekam, befindet sich auf rumänischem Boden, wurde aber von Serbien aus aufgenommen. Mit einer Höhe von fünfundfünfzig Metern handelt es sich um die höchste Felsskulptur in Europa.


12. Mai 2026 / Rumänien / Drobeta / Festung
Der Abschied aus Rumänien war stürmisch. Die Nacht hindurch gingen mehrere Gewitter nieder und auch bei meinem Spaziergang durch die Grenzstadt Drobeta war es heute Morgen nass. Eigentlich wollte ich bloss eine Woche in Rumänien verbringen. Es sind dann elf Tage geworden, was zeigt, dass es mir auch hier sehr gut gefallen hat. Speziell Siebenbürgen ist eine tolle Region mit sehr vielen Kulturdenkmälern. Alte Traditionen werden hier noch intensiv gelebt, so dass ich mich öfters in eine vergangene Zeit zurückversetzt fühlte. Mit Iasi, Brasov und Sibiu habe ich drei tolle Städte besucht. Die Menschen, mit denen ich Kontakt hatte, waren allesamt aufgeschlossen, interessiert und nett. Also alles bestens. Ausser das Wetter heute bei der Ausreise …


11. Mai 2026 / Rumänien / Cerneti / Übernachtungsplatz
Die Übernachtungsplätze teile ich in drei Kategorien ein: schöne, praktische und Notplätze. Die Schönen liegen meist am Wasser oder an Orten mit toller Aussicht oder speziellem Ambiente. Die Praktischen sind ruhig und gut gelegen. Die Notplätze sind weder schön noch ruhig, sondern werden belegt, weil es nichts Besseres gibt. Der heutige Platz fällt in die Kategorie „praktisch“. Es ist ruhig hier, wir stören niemanden und die Stadt Drobeta, die ich morgen besuchen will, liegt nahe. Der Platz hat aber doch noch eine spezielle Note erhalten, weil plötzlich ein Pferdefuhrwerk hinter uns Halt machte. Der Fuhrmann sprach so viel Englisch wie ich Rumänisch. Dennoch war er sehr mitteilsam. Verstanden habe ich kaum etwas, aber irgendwie hatten wir es gleichwohl lustig. Die nahegelegene Stadt Drobeta wird die letzte sein, die ich in Rumänien besuche. Danach wechsle ich auf die andere Seite der Donau nach Serbien, wo ich rund vier Tage bleiben möchte.


11. Mai 2026 / Rumänien / Tismana / Kloster
Im Frauenkloster Tismana habe ich heute hauptsächlich Männer angetroffen. Bauarbeiter. Sowohl die Innenräume der Klosterkirche als auch deren Fassade werden im Moment einer umfassenden Sanierung unterzogen. Vom Kloster Tismana, das das älteste noch bestehende orthodoxe Kloster in der Walachei ist und zu den schönsten des Landes zählen soll, habe ich daher fast nichts mitbekommen. „Berufsrisiko“ könnte man meinen. Wer viele Sehenswürdigkeiten aufsucht, riskiert, dass gelegentlich die eine oder andere geschlossen oder nur eingeschränkt zugänglich ist. Auf dieser Reise war das nun wiederholt der Fall. In der Türkei waren einige Sehenswürdigkeiten nicht zugänglich, weil es zu viel Schnee hatte. Andere waren saisonal geschlossen. Das ist natürlich immer schade. Andererseits hat man damit zusätzliche Argumente, um nochmals in die Gegend zu kommen.