Port d’Envalira

4. Oktober 2025 / Andorra / Port d’Envalira / Westseite

Ich hatte heute wieder einmal riesiges Wetterglück und durfte einen sehr sonnigen Tag geniessen. Und es war ein ausgesprochen warmer Tag, der wärmste seit zwei Wochen. Eine grosse Säule auf dem 2’408 Meter hohen Port d’Envalira zeigte am Nachmittag eine Temperatur von 18 Grad an. Ich habe das nicht für möglich gehalten und meine Wetterapp konsultiert. Diese meldete für das etwas tiefer gelegene Pas de la Casa 21 Grad an. Da kann man getrost auf warme Handschuhe und eine zweite Jacke verzichten. Der Port d’Envalira ist eher flach und gut ausgebaut (auf den Geraden meist dreispurig). Die Abfahrt ins Tal war heute ein richtiger Genuss. Bei breiten Strassen, weiten Kurven, einem guten Belag und keinem übertriebenen Gefälle kann man es so richtig sausen lassen. Und das auf einer Länge von über dreissig Kilometern. Radfahrerherz, was willst du mehr?

Col de la Core (19. Pass)

1. Oktober 2025 / Frankreich / Col de la Core / Westseite

Das Landschaftsbild hat sich in den letzten zwei Tagen stark verändert. Die hohen, steilen Berge der Hautes-Pyrénées sind passé. Jetzt bin ich in einer eher sanften Hügellandschaft angekommen. Relativ sanft verlaufen auch die Aufstiege zum Col de la Core, der immerhin 1’395 Meter hoch ist. Sowohl auf der West- als auch auf der Ostseite ist die Passstrasse nie wirklich steil, dafür aber recht lang. Was mir etwas Sorge bereitet, ist der Umstand, dass sie beginnen, das Vieh von den Alpwiesen abzuziehen. Ich hoffe nicht, dass das Vorzeichen eines raschen Wetterumbruchs sind. Schnee und Kälte sollen sich doch bitte noch ein Weilchen zurückhalten.

Col de Portet-d’Aspet (18. Pass)

1. Oktober 2025 / Frankreich / Col de Portet-d’Aspet / Westseite

Die Westseite des Col de Portet-d’Aspet ist nur gut vier Kilometer lang. Das tönt nach einem lockeren Aufstieg. Ist es aber nicht. Die Durchschnittssteigung beträgt knapp 10 Prozent. Und es gibt zwischendurch Rampen, die bis zu siebzehn Prozent steil sind. Das treibt den Puls ganz schön in die Höhe. Um nicht zu übersäuern, muss man schauen, dass man den Puls schnell wieder in den grünen Bereich bekommt, was aber nicht ganz einfach ist, da es nach saumässig steil meist recht steil weitergeht. Das Positive an der happigen Steigung ist, dass man rasch einmal oben ist. Die Ostseite des Col de Portet-d’Aspet ist viel angenehmer zu fahren, sowohl bergauf als auch bergab.

Col de Menté (17. Pass)

30. September 2025 / Frankreich / Col de Menté / Westseite

Das Wetter in den Pyrenäen kann rasch umschlagen. Am Fuss des Col de Menté hatte ich noch schönstes Sommerwetter. Eine halbe Stunde später zogen im Aufstieg dicke Wolken auf, die immer dunkler wurden. Geregnet hat es aber nicht. Und solange es trocken ist, ist für mich alles okay. Mit dem Col de Menté habe ich nun den 17. der 34 Pässe der Route des Cols befahren. Nach zehn Tagen im Sattel und einem unfreiwilligen Ruhetag sollte ich auch etwa die Hälfte der Distanz hinter mir haben. Es bleiben mir noch maximal fünfzehn Tage. Wenn weiterhin alles rund läuft und mir das Wetter nicht einen dicken Strich durch die Rechnung macht, sollte es möglich sein, die Route des Cols zu Ende zu fahren. Ich will aber nichts verschreien, sondern weiterhin Tag für Tag schauen, wohin mich mein Fahrrad trägt. Abgerechnet wird bekanntlich am Schluss.

Col d’Azet (14. Pass)

28. September 2025 / Frankreich / Col d’Azet / Westseite

Der Col d’Azet ist einer der weniger bekannten Pässe der Hautes-Pyrénées. Es hatte heute auch nur wenig Verkehr (und das an einem Sonntag mit ordentlichem Wetter). Die meisten Passfahrer, die vom Tourmalet und vom Aspin herkommen scheinen direkt zum Col de Peyresourde weiterzufahren und lassen damit den Col d’Azet links liegen. Eigentlich schade, denn der Col d’Azet ist ein schön zu fahrender Pass, der auf beiden Seiten tolle Panoramablicke eröffnet und der durch alte Pyrenäendörfer führt. Mir hat der Col d’Azet auf alle Fälle besser gefallen als der viel bekanntere Col d’Aspin. Hier scheint sich aber klar zu zeigen, was für einen Einfluss eine Tour de France auf die Bekanntheit von Pässen und damit auch auf den Besucherandrang haben kann. Der Col d’Aspin wurde von der Grande Boucle knapp achtzig Mal überquert, der Col d’Azet bloss zehn Mal. Etwa in diesem Verhältnis unterschieden sich die beiden Pässe heute auch hinsichtlich des Verkehrsaufkommens.

Col d’Aspin (13. Pass)

27. September 2025 / Frankreich / Col d’Aspin / Westseite

Auch den Col d’Aspin kennt man bestens von der Tour de France. Genau gleich wie der Tourmalet wurde der Aspin 1910 das erste Mal von der Grande Boucle überquert. Seither gab es knapp achtzig überqueren (beim grossen Bruder nebenan sind es über achtzig). Zumindest der Westaufstieg auf den Col d’Aspin wird den Radprofis kaum allzu grosse Bauchschmerzen bereiten. Der Höhenunterschied beträgt nur gut 700 Meter. Und richtig steile Passagen findet man keine. Selbst wenn das Renntempo ungleich höher ist als das bei den Hobby-Gümmelern, sollte das selbst für müde Profis gut machbar sein. Ob sie dann aber noch die Zeit finden, sich die schöne Landschaft genauer anzuschauen, wage ich doch stark zu bezweifeln. Aber dafür werden sie ja schliesslich auch nicht bezahlt.

Westlich vom Col du Tourmalet

27. September 2025 / Frankreich / Col du Tourmalet / Westseite

Der Col du Tourmalet ist der König der Pyrenäenpässe. Mit einer Höhe von 2’115 Metern ist der Tourmalet der höchste französische Pyrenäenpass (einzig in Andorra gibt es noch höhere Pässe). Der Tourmalet ist auch ein Liebkind der Tour de France. Bereits über achtzig Mal ist die „Grand Boucle“ über diesen Pass gefahren, so oft wie sonst über keinen anderen Bergübergang. Der Aufstieg von der Westseite her ist landschaftlich sehr schön. Man ist meist im freien Gelände und hat einen guten Blick auf die schöne Bergkulisse. Allzu stark träumen sollte man dabei aber nicht, denn es hat doch recht viel Verkehr auf dieser Passstrasse (Autos, Motorräder, Wohnmobile und vor allem auch Velofahrer).

Geier

25. September 2025 / Frankreich / Col d’Aubisque / Westseite / Geier

Zugegeben: Oben auf dem Col d’Aubisque habe ich heute Nachmittag sicher nicht mehr den frischesten Eindruck gemacht. Dass aber gleich eine Gruppe Geier auf mich wartete, hat mich dann doch ein wenig irritiert. Als die Vögel erkannten, dass es doch nicht so schlecht um mich steht, sind mindestens fünf von ihnen mit hängenden Köpfen davongeflogen. Einer blieb und liess sich aus gebührender Entfernung ablichten. Mal etwas anderes als immer nur Kühe.

Col d’Aubisque (10. Pass)

25. September 2025 / Frankreich / Col d’Aubisque / Westseite

Im Gegensatz zu gestern hatte ich heute gute Beine und kam flott voran, so dass ich nach der beidseitigen Überquerung des Col de Marie-Blanque auch noch auf den Aubisque fuhr. Mit seinen 1’709 Metern ist der Col d’Aubisque der zweithöchste Pass, den es im Rahmen der Route des Cols zu überwinden gilt. Hier ist alles eine Spur rauer als auf den vorangehenden Pässen. Rund drei Kilometer vor der Passhöhe zog dann auch noch dicker Nebel auf und die Temperatur sank auf acht Grad. Nicht schön, aber auch kein Problem, da man die Strasse jederzeit gut erkennen konnte und es kaum Verkehr gab. Ich bleibe dabei: Solange es trocken ist, ist alles gut. Zudem soll es morgen und übermorgen wärmer werden. Gut so, denn der Tourmalet mit seinen 2’115 Metern steht an. Ein paar zusätzliche Grade kann man dort sicher gut vertragen.

Col du Soudet (6. Pass)

24. September 2025 / Frankreich / Col du Soudet / Westseite

Von der Länge her ist der Col du Soudet (gut 1’200 Meter Höhenunterschied) dem Chasseral (knapp 1’200 Kilometer Höhenunterschied) recht ähnlich. Die Topographie ist aber eine andere. Unten ist der Col du Soudet lange Zeit recht flach, weist dann aber im oberen Abschnitt steile Rampen auf. Die Landschaft hier in den Pyrenäen ist auch um einiges rauer als am Südrand des Juras und die Strassen schlechter. Auch auf der Passhöhe gibt es signifikante Unterschiede. Vom Chasseral aus hat man in alle Richtungen eine wunderbare Aussicht. Diese fehlt auf dem Col du Soudet weitgehend. Hier zweigt die Strasse in eine andere Strasse ein, die zum höher gelegenen Col de Pierre Saint-Martin (1’765 Meter) und gleich danach nach Spanien führt. Ein schönes Panorama wäre heute aber eh nutzlos gewesen. Auf dem Pass war es trüb und die Sichtweite sehr beschränkt.