Nicht nur wir lieben Fisch. Im Hafen von Essaouira wimmelt es nur so von Möwen, die versuchen, sich einen Bissen zu erhaschen. Für die Fischer sind die Vögel lässig, müssen sie doch ihren Fang dauernd vor den fliegen Dieben schützen. Für uns sind die Möwen immer wieder ein dankbares Fotomotiv.
Im Hafen von Essaouira haben wir heute Mittag Fisch gegessen. Das System funktioniert wie folgt: an einem der rund dreissig Fischstände sucht man sich den gewünschten fangfrischen Fisch aus. Bei den meisten Fischständen hat es dann jemanden, der die Fische für ein kleines Geld ausnimmt und auf Wunsch filetiert. Nun geht man zu einem der Grillstände im Hafen. Hier wird der Fisch grilliert und man kann ihn zusammen mit Brot oder einem Salat an einem gedeckten Tisch beim Grillstand verspeisen. Für zwei grosse, prächtige Doraden haben wir mit dem ganzen Service knapp zwanzig Franken bezahlt. Gespiesen haben wir direkt am Wasser neben den farbigen Fischerbooten. Der Fisch war 1a, unser Vergnügen riesengross.
Essaouira ist bekannt für seine charakteristischen kleinen blauen Fischerboote. Die Boote sind miteinander vertaut und bilden einen grossen blauen Teppich. Wie das System genau funktioniert haben wir heute nicht herausgefunden. Wir nehmen nicht an, dass sich die Fischer einfach eines der vordersten Boote schnappen, sondern dass sie jeweils warten müssen, bis sie freie Fahrt haben. Das ist aber bloss eine Vermutung. Wir werden es herausfinden, wenn wir irgendeinmal wieder in Essaouira aufkreuzen. Ein alter „Trick“ von mir ist, in einer Stadt nie restlos alles Spannende anzuschauen oder herauszufinden. So gibt es immer wieder einen Grund, um nochmals herzukommen.
Gegen Abend haben wir den Touristenhotspot Essaouira erreicht. Die Stadt liegt 170 Kilometer westlich von Marrakesch. Die Kombination aus schönen Stränden, hübscher Altstadt (seit 2001 UNESCO-Weltkulturerbe), tollem Fischerhafen und Nähe zu einem internationalen Flughafen sorgt dafür, dass Essaouira so touristisch ist wie kaum eine andere Stadt in Marokko. Mittlerweile sind es über eine Millionen Besucher, die die Kleinstadt jedes Jahr aufsuchen. Touristenscharen schrecken uns eher ab (obwohl wir selbst ja auch Touristen sind). In Essaouira müssen wir aber zugeben: die Stadt ist trotz grossem Besucherstrom und touristisch ausgerichtetem Angebot superschön.
In Safi durften wir endlich einmal einen grösseren Fischerhafen besuchen. Das emsige Treiben, das hier vorherrscht, hat uns fasziniert. Die mittelgrossen Fischkutter werden reihenweise „parkiert“. Das an der Hafenmauer festgemachte Schiff kann manchmal erst ausfahren, wenn sechs daneben festgebundene Kutter den Anlegeplatz verlassen haben. Pro Schiff braucht es rund zwanzig Mann Besatzung, was zur Folge hat, dass es im Hafen nur so wimmelt vor Menschen. Gefischt werden hauptsächlich Sardinen, die dann vor Ort verarbeitet und verpackt werden. An den Verkaufsständen im Hafen wurden aber auch viele andere Fischsorten zum Verkauf angeboten. Ein richtiger Augenschmaus für alle, die gerne Fisch haben.
Wenn man in Marokko etwas fotografieren will, gibt es zwei gute Wege, um ans Ziel zu kommen. Freundlich fragen ist ein relativ sicherer Weg. Freundlich fragen und etwas kaufen ist ein ganz sicherer Weg. Nachdem wir in der Medina ein Kilo Karotten für knapp 50 Rappen erworben haben, war das Pferd damit einverstanden, dass wir es ablichten. Hätte es allerdings gewusst, dass wir die Karotten selber verspeisen und nicht ihm verfüttern, hätte es sich die Sache eventuell anders überlegt.
Safi ist eine 350’000 Einwohner zählende Grossstadt, die nordwestlich von Marrakesch am Atlantik liegt. Safi besitzt den zweitwichtigsten Hafen Marokkos (nach Casablanca) und ist zudem eine wichtige Industriestadt. Die Region ist phosphatreich. Die abgebauten Phosphate werden in Safi in riesigen Industriebetrieben zu Düngemitteln verarbeitet und dann zu einem ordentlichen Teil exportiert. Touristisch interessant ist die eher kleine, aber spannende Medina. Zwischen der Medina und dem Meer liegt das Château de Mer (Ksar el Bar), das von den Portugiesen anfangs des 16. Jahrhunderts errichtet wurde.
7. Februar 2025 / Marokko / Douar Jouamaa / Strand beim Camping Plage Mriziqa
Die kommende Nacht verbringen wir in unmittelbarer Nähe vom Meer. Der Camping Plage Mriziqa liegt abgelegen hinter den Dünen am herrlichen Mriziqa-Strand. Ein sehr einfacher Camping. Aber mit Hopo sind wir ja autark unterwegs, so dass wir nur einen sicheren Standplatz benötigen. Bei der Fahrt über die holprige Zufahrtsstrasse habe ich mir gedacht, dass das wohl der erste Übernachtungsplatz sein wird, auf dem wir nicht wiederholt dem Ruf eines Muezzins zuhören dürfen. Falsch gedacht. Der Camping liegt zwar abseits, aber irgendwo in der Nähe muss es gleichwohl eine Moschee haben, von der aus zum Gebet aufgerufen wird. Nicht weiter schlimm, dauern die Rufe doch nur kurz.
Seit 2004 gehört die von den Portugiesen gegründete Altstadt von El Jadida – die Cité Portugaise – zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das hat sie unserer Meinung nach auch verdient. Die Stadtmauer und die Festungstürme sind in einem sehr guten Zustand und sehen toll aus. Auch das Innere der Medina ist recht gut gepflegt. El Jadida verfügt auch über einen recht grossen Fischerhafen. In den Hafen durften wir leider nicht. Von der Hafenmauer aus konnten wir aber den Fischerbooten zuschauen, die reihenweise ins See stachen. Von Einheimischen haben wir erfahren, dass primär Sardinen gefangen werden, die dann vor Ort verarbeitet werden und die in Marokko einen guten Ruf haben.
7. Februar 2025 / Marokko / El Jadida / Stadtmauer und Medina
Fünfzehn Kilometer südwestlich von Azemmour liegt El Jadida. Die 200’000 Einwohner zählende Stadt wurde ebenfalls von den Portugiesen gegründet. Die Stadtmauer ist sehr gut erhalten. Bis auf ein kleines Stück kann man auf ihr die Medina umrunden. Spannend, aus der Höhe dem Treiben in der Stadt zuzuschauen.