Audressein

1. Oktober 2025 / Frankreich / Audressein / Kirche am Dorfbach

Audressein ist ein kleines Dorf, das zwischen dem Col de Portet-d’Aspet und dem Col de la Core liegt. In unmittelbarer Nähe der Dorfkirche war Hopo heute den Tag hindurch parkiert, währenddessen ich zuerst westwärts, dann ostwärts, und am späteren Nachmittag wieder zum Startpunkt zurückfuhr. Hopo hat es hier am Bach Bouigane so gut gefallen, dass er gleich hier übernachten möchte. Einverstanden. Es gibt genug freie Parkplätze, kaum Verkehr, kaum Passanten, keine Nachbarn, die man stören könnte, alles ist extrem ruhig. Das ist das Schöne am freien Übernachten in Frankreichs Provinzen: Meist muss man nicht lange nach schönen, passenden Übernachtungsplätzen suchen, sondern man stösst einfach auf sie.

Col de Portet-d’Aspet (18. Pass)

1. Oktober 2025 / Frankreich / Col de Portet-d’Aspet / Westseite

Die Westseite des Col de Portet-d’Aspet ist nur gut vier Kilometer lang. Das tönt nach einem lockeren Aufstieg. Ist es aber nicht. Die Durchschnittssteigung beträgt knapp 10 Prozent. Und es gibt zwischendurch Rampen, die bis zu siebzehn Prozent steil sind. Das treibt den Puls ganz schön in die Höhe. Um nicht zu übersäuern, muss man schauen, dass man den Puls schnell wieder in den grünen Bereich bekommt, was aber nicht ganz einfach ist, da es nach saumässig steil meist recht steil weitergeht. Das Positive an der happigen Steigung ist, dass man rasch einmal oben ist. Die Ostseite des Col de Portet-d’Aspet ist viel angenehmer zu fahren, sowohl bergauf als auch bergab.

Memorial Fabio Casartelli

1. Oktober 2025 / Frankreich / Col de Portet-d’Aspet / Memorial Fabio Casartelli

In den Col de Portet-d’Aspet bin ich heute mit einem mulmigen Gefühl eingestiegen. In einer der untersten Kurven stürzte der 25-jährige italienische Strassen-Olympiasieger Fabio Casartelli am 18. Juli 1995 derart fatal, dass er kurz darauf seinen schweren Verletzungen erlag. Ich habe damals den Schluss der Tour de France Etappe live am Fernsehen verfolgt und erinnere mich noch gut. Zuerst wurde nur berichtet, dass Casartelli, der noch ohne Helm unterwegs war, gestürzt sei. Erst allmählich sickerte durch, wie schlimm es war. Ich und viele andere waren geschockt. Zu jener Zeit waren Radrennen noch deutlich sicherer als Formel-1-Rennen. Das hat sich mittlerweile geändert (gut für die Formel 1, schlecht für den Radrennsport). Jahr für Jahr wird in seiner Heimat noch eine Messe für Fabio Casartelli abgehalten und es findet ein Gedenkrennen statt. Ruhe in Frieden, Fabio.

11. Teilstrecke vom 1. Oktober 2025

Strecke: Pont de l’Oule – Col de Portet-d’Aspet – Audressein – Col de la Core – Sentenac-d’Oust (und zurück)

Streckenlänge: 96 Kilometer / 2’500 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (11 Tagesetappen): 1’039 km / 26’400 Höhenmeter

Heutige Pässe: Col de Portet-d’Aspet (18. Pass / 1’069 m / beidseitig befahren) und Col de la Core (19. Pass / 1’395 m / beidseitig befahren)

Der Westaufstieg zum Col de Portet-d’Aspet ist nur gut vier Kilometer lang, die Höhendifferenz „bloss“ 420 Meter. Der Aufstieg ist aber hart. Die durchschnittliche Steigung beträgt knapp zehn Prozent mit einer Spitzensteigung von 17 Prozent. Besonders im unteren Teil kommt man gehörig ins Schwitzen. Die Ostseite ist deutlich länger, aber weniger steil und gut zu befahren. Beim Col de la Core sind beide Seiten eher flach (maximal acht Prozent Steigung). Der Pass ist daher beidseitig angenehm zu befahren.

Col de Menté (17. Pass)

30. September 2025 / Frankreich / Col de Menté / Westseite

Das Wetter in den Pyrenäen kann rasch umschlagen. Am Fuss des Col de Menté hatte ich noch schönstes Sommerwetter. Eine halbe Stunde später zogen im Aufstieg dicke Wolken auf, die immer dunkler wurden. Geregnet hat es aber nicht. Und solange es trocken ist, ist für mich alles okay. Mit dem Col de Menté habe ich nun den 17. der 34 Pässe der Route des Cols befahren. Nach zehn Tagen im Sattel und einem unfreiwilligen Ruhetag sollte ich auch etwa die Hälfte der Distanz hinter mir haben. Es bleiben mir noch maximal fünfzehn Tage. Wenn weiterhin alles rund läuft und mir das Wetter nicht einen dicken Strich durch die Rechnung macht, sollte es möglich sein, die Route des Cols zu Ende zu fahren. Ich will aber nichts verschreien, sondern weiterhin Tag für Tag schauen, wohin mich mein Fahrrad trägt. Abgerechnet wird bekanntlich am Schluss.

Saint-Béat

30. September 2025 / Frankreich / Saint-Béat / Dorf von Südwesten her

Am Fusse des Col de Menté liegt die alte Ortschaft Saint-Béat, die bloss gut dreihundert Einwohner zählt. Entlang des Flusses Garonne (der später in der Nähe von Bordeaux ins Meer fliessen wird) gibt es eine Vielzahl alter Häuser. Über dem Dorf thront eine Burg mit einer Kapelle. Bekannt ist Saint-Béat aber hauptsächlich wegen der Marmorsteinbrüche, die, nach einigen Funden zu schliessen, schon von den Römern verwendet worden waren.

10. Teilstrecke vom 30. September 2025

Strecke: Col du Portillon – Bossòst (E) – Saint-Béat – Col de Menté – Pont de l’Oule (und zurück)

Streckenlänge: 98 Kilometer / 2’500 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (10 Tagesetappen): 943 km / 23’900 Höhenmeter

Heutige Pässe: Col du Portillon (16. Pass / 1’293 m / jetzt beidseitig befahren) und Col de Menté (17. Pass / 1’349 m / beidseitig befahren)

Die Ostseite (spanische Seite) des Col du Portillon ist schön zu befahren. Der Einstieg ist sanft, dann wird die Strasse kontinuierlich etwas steiler, übersteigt aber nie die neun Prozent. Die Westseite des Col de Menté war heute der steilste Aufstieg. Über längere Passagen hinweg steigt die Strasse mit zehn Prozent Steigung oder sogar etwas mehr an. Die Ostseite des Col de Menté beginnt zuerst recht flach und beinhaltet unten eine ordentliche Gegensteigung. Im oberen Teil ist der Pass dann steiler, meist aber unter zehn Prozent. Die Passtrassen sind gut ausgebaut und es hat wenig Verkehr. Anders sieht es zwischen den beiden Pässen aus. Das Verkehrsaufkommen zwischen Bossòst (Spanien) und Saint-Béat ist hoch, die Strasse aber auch recht breit, so dass alles im grünen Bereich liegt.

Col du Portillon (16. Pass)

29. September 2025 / Frankreich / Col du Portillon / Passhöhe

Die Strasse hinauf auf den Col du Portillon verläuft auf der Westseite praktisch ausschliesslich im Wald. Im Sommer muss der viele Schatten eine Wohltat sein. Heute fand ich es etwas schade, dass man mit Ausnahme von Bäumen praktisch nichts zu sehen bekam. Auf der Passhöhe verläuft die Grenze zwischen Frankreich und Spanien (im Bild ist primär Frankreich zu sehen). Über die Höhe des Passes sind sich die beiden Länder nicht ganz einig. Die Spanier geben 1’292 Meter an, die Franzosen 1’293 Meter. Irgendwie typisch, ist doch im Verständnis der Franzosen in ihrem Land alles einen Tick schöner, besser und eben auch höher als anderswo.

Bagnères-de-Luchon

29. September 2025 / Frankreich / Bagnères-de-Luchon / Thermes Chambert

Bagnères-de-Luchon ist in Frankreich ein recht bekannter Thermal- und Kurort. Bereits die Römer sollen die Thermalquellen genutzt haben. Diese gerieten dann in Vergessenheit und wurden erst im 17. Jahrhundert wiederentdeckt. Im Ort gibt es einige an und für sich eindrückliche Bauten im Stil der Belle Epoquel. Mir schien aber, dass Bagnères-de-Luchon seine besten Zeiten längst hinter sich hat. Einige Hotels scheinen ganz geschlossen zu sein (Ende September ist ja kaum Zwischensaison). Andere machen einen eher heruntergekommenen Eindruck. Richtig wohl war es mir hier nicht. Daher nichts wie weiter auf den nächsten Pass.

Col de Peyresourde (15. Pass)

29. September 2025 / Frankreich / Col de Peyresourde / Ostseite

Der Col de Peyresourde ist wieder einer der Pässe, die regelmässig von der Tour de France überquert werden. Der Pass ist nicht allzu steil und daher schön zu befahren (ausser man ist gezwungen, ihn im Renntempo zu erklimmen). Auf der Ostseite gibt es unterhalb der Passhöhe einige schöne Serpentinen zu bewältigen. Gut ist, dass die Passstrasse meist durch Weideland führt, so dass man ausreichend Zeit hat, die Bergwelt zu betrachten. Die Tierart, die ich heute neu entdeckt habe (im Rahmen der Route des Cols), waren Schlittenhunde, die faul vor ihren kleinen Hütten herumlagen und wohl von Kälte und viel Schnee geträumt haben. Mir zuliebe hoffe ich doch sehr, dass ihre Träume in den nächsten drei Wochen noch nicht in Erfüllung gehen werden.