Col d’Azet (14. Pass)

28. September 2025 / Frankreich / Col d’Azet / Westseite

Der Col d’Azet ist einer der weniger bekannten Pässe der Hautes-Pyrénées. Es hatte heute auch nur wenig Verkehr (und das an einem Sonntag mit ordentlichem Wetter). Die meisten Passfahrer, die vom Tourmalet und vom Aspin herkommen scheinen direkt zum Col de Peyresourde weiterzufahren und lassen damit den Col d’Azet links liegen. Eigentlich schade, denn der Col d’Azet ist ein schön zu fahrender Pass, der auf beiden Seiten tolle Panoramablicke eröffnet und der durch alte Pyrenäendörfer führt. Mir hat der Col d’Azet auf alle Fälle besser gefallen als der viel bekanntere Col d’Aspin. Hier scheint sich aber klar zu zeigen, was für einen Einfluss eine Tour de France auf die Bekanntheit von Pässen und damit auch auf den Besucherandrang haben kann. Der Col d’Aspin wurde von der Grande Boucle knapp achtzig Mal überquert, der Col d’Azet bloss zehn Mal. Etwa in diesem Verhältnis unterschieden sich die beiden Pässe heute auch hinsichtlich des Verkehrsaufkommens.

Azet

28. September 2025 / Frankreich / Azet / Kirche

Die Westauffahrt zum Col d’Azet führt durch drei kleine, alte Pyrenäendörfer mit vielen Steinhäusern. Besonders eindrücklich fand ich das Dorf Azet mit seiner alten Steinkirche, um die herum sich die Passstrasse windet. Die ganze Szenerie hat mich stark an den berühmten Aufstieg auf die Alpe d’Huez erinnert. Auch dort windet sich die Strasse um eine alte Steinkirche herum. Kommt die Tour de France vorbei, wird die Kurve jeweils frühzeitig von den Holländern in Beschlag genommen und zur Partymeile umfunktioniert, weshalb man sie auch „Dutch Corner“ nennt. Rein vom Erscheinungsbild her hat auch der wenig bekannte Col d’Azet einen Dutch Corner zu bieten. Holländer konnte ich heute allerdings keine ausmachen.

8. Teilstrecke vom 28. September 2025

Strecke: Col d’Aspin – Arreau – Col d’Azet – Loudenvielle (und zurück)

Streckenlänge: 88 Kilometer / 2’400 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (8 Tagesetappen): 773 km / 19’100 Höhenmeter

Heutige Pässe: Col d’Aspin (13. Pass / 1’489 Meter hoch / nun beidseitig befahren) und Col d’Azet (14. Pass / 1’580 m / beidseitig befahren)

Die drei heutigen Aufstiege (Ostseite des Col d’Aspin und beide Seiten des Col d’Azet) sind mittelschwer. Es gilt jeweils eine Höhendifferenz von gut 700 Metern zu überwinden. Die Steigungen betragen überwiegend um die acht Prozent, mit Spitzen bis zu zehn Prozent. Selbst für müde Tourmalet-Beine ist das gut verkraftbar. Die Strassen sind eher eng, aber für Fahrräder kein Problem (selbst für das Kreuzen mit Wohnmobilen bleibt genug Platz). Das Verkehrsaufkommen ist unterschiedlich. Der Col d’Aspin wird sowohl von Autos, Motorrädern als auch Fahrrädern recht stark befahren. Beim Col d’Azet hat es hingegen nur wenig Verkehr.

Col d’Aspin (13. Pass)

27. September 2025 / Frankreich / Col d’Aspin / Westseite

Auch den Col d’Aspin kennt man bestens von der Tour de France. Genau gleich wie der Tourmalet wurde der Aspin 1910 das erste Mal von der Grande Boucle überquert. Seither gab es knapp achtzig überqueren (beim grossen Bruder nebenan sind es über achtzig). Zumindest der Westaufstieg auf den Col d’Aspin wird den Radprofis kaum allzu grosse Bauchschmerzen bereiten. Der Höhenunterschied beträgt nur gut 700 Meter. Und richtig steile Passagen findet man keine. Selbst wenn das Renntempo ungleich höher ist als das bei den Hobby-Gümmelern, sollte das selbst für müde Profis gut machbar sein. Ob sie dann aber noch die Zeit finden, sich die schöne Landschaft genauer anzuschauen, wage ich doch stark zu bezweifeln. Aber dafür werden sie ja schliesslich auch nicht bezahlt.

Sainte-Marie de Campan

27. September 2025 / Frankreich / Sainte-Marie de Campan / Kirche

Nach einer tollen, langen Abfahrt erreicht man auf der Ostseite des Toumalet das Dorf Sainte-Marie de Campan mit einer schön geschmückten Kirche. Direkt nach der Kirche kommt eine Abzweigung. Wer sich für die linke Spur entscheidet, kann seine Beine weiter baumeln lassen, denn hier geht es nochmals runter in die Ebene westlich von Tarbes. Wer sich für die rechts Spur entscheidet, wird bald ins Schwitzen kommen. Denn rechts geht es direkt in den Aufstieg zum Col d’Aspin. Aus zwei Gründen habe ich mich für die rechte Spur entschieden. Erstens war Hopo hier den Tag hindurch parkiert und ich brauchte unbedingt etwas zum Essen. Und zweitens wollte ich tatsächlich das schöne, warme Wetter nutzen, und noch den Col d’Aspin hochfahren.

Alpaka auf dem Tourmalet

27. September 2025 / Frankreich / Col du Tourmalet / Ostseite / Alpaka

Selbst auf einem viel befahrenen Pass wie dem Tourmalet laufen verschiedene Arten von Weidetieren frei herum und nehmen, wenn ihnen gerade danach ist, die Strassen in Beschlag. Heute hat es mir eine Herde Alpakas angetan, die ich auf über 1’800 Metern angetroffen habe.

Col du Tourmalet (12. Pass)

27. September 2025 / Frankreich / Col du Tourmalet / Passhöhe

Normalerweise posieren Radfahrer vor dem Passschild und lassen sich dort ablichten (oder machen ein Foto des Passschilds und ihres Fahrrads). Auf dem Col du Tourmalet will jeder ein Foto vom „Le Géant du Tourmalet“, auch bekannt als „Octave le Géant“. Die monumentale Skulptur des französischen Künstlers Jean-Bernard Métais erinnert an die erste Tour de France-Überquerung des Tourmalet im Jahr 1910. Der Radfahrer Octave Lapize, der bei dieser historischen Überquerung führend war, ist der Namensgeber für den Beinamen der Skulptur. Damit man ein Foto von sich oder von seinem Fahrrad schiessen kann, muss man in Stosszeiten Schlange stehen. Und wehe, man ist bereit, einen anderen Fahrer abzulichten. Die Zahl derer, die das Gleiche möchten, ist gross und man hat ein Weilchen was zu tun.

Westlich vom Col du Tourmalet

27. September 2025 / Frankreich / Col du Tourmalet / Westseite

Der Col du Tourmalet ist der König der Pyrenäenpässe. Mit einer Höhe von 2’115 Metern ist der Tourmalet der höchste französische Pyrenäenpass (einzig in Andorra gibt es noch höhere Pässe). Der Tourmalet ist auch ein Liebkind der Tour de France. Bereits über achtzig Mal ist die „Grand Boucle“ über diesen Pass gefahren, so oft wie sonst über keinen anderen Bergübergang. Der Aufstieg von der Westseite her ist landschaftlich sehr schön. Man ist meist im freien Gelände und hat einen guten Blick auf die schöne Bergkulisse. Allzu stark träumen sollte man dabei aber nicht, denn es hat doch recht viel Verkehr auf dieser Passstrasse (Autos, Motorräder, Wohnmobile und vor allem auch Velofahrer).

7. Teilstrecke vom 27. September 2025

Strecke: Barèges – Col du Tourmalet – Sainte-Marie de Campan – Col d’Aspin (und zurück)

Streckenlänge: 83 Kilometer / 2’800 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (7 Tagesetappen): 685 km / 16’700 Höhenmeter

Heutige Pässe: Col du Tourmalet (12. Pass / 2’115 Meter hoch / beidseitig befahren) und Col d’Aspin (13. Pass / 1’489 Meter hoch / erst die Westseite befahren)

Der Col du Tourmalet ist bezüglich Länge und Höhendifferenz vergleichbar mit einem durchschnittlichen Schweizer Alpenpass. Auch das Gefälle (mehrheitlich zwischen acht und zehn Prozent) ist vergleichbar. Neckisch ist, dass beim Westaufstieg das absolut steilste Stück unmittelbar vor der Passhöhe kommt. Für die letzten zweihundert Meter sollte man daher unbedingt noch ein paar Körner vorrätig haben. Wer einen Schweizer Pass schafft, der wird auch den Tourmalet ohne Schwierigkeiten bewältigen. Die Westseite des Col d’Aspin ist relativ einfach zu befahren, da die Höhendifferenz bloss 700 Meter beträgt. Lange geht es mit leichter Steigung in ein Tal hinein. Erst auf den letzten fünf Kilometern steigt es kontinuierlich an (zwischen sieben und acht Prozent). Die Ostseite sieht etwas schwieriger aus. Wie sie zu befahren ist, kann ich morgen beschreiben.

Chèze

26. September 2025 / Frankreich / Chèze / Dorf von Westen her

Wenn man schon in den Genuss eines prächtigen Tages kommt, dann soll man diesen auch möglichst gut nutzen. Weil ich nach der Abfahrt vom Col du Soulor noch gute Beine hatte, habe ich bereits rund einen Drittel der Westseite des Col du Tourmalet, des Königs der Pyrenäenpässe, befahren. Dank dieser Vorarbeit sollte es morgen ohne grössere Schwierigkeiten möglich sein, von beiden Seiten her auf den Pass zu fahren. Auf der Fahrt Richtung Tourmalet ist mir das kleine Dörfchen Chèze ins Auge gestochen, das auf einer Anhöhe über dem Tal des Flusses Gave de Pau liegt. Im Ort sollen noch knapp fünfzig Einwohner leben und es soll einige interessante historische Gebäude geben. Wenn ich kein anderes Programm hätte, ginge ich mir das morgen genauer anschauen.