Col de Menté (17. Pass)

30. September 2025 / Frankreich / Col de Menté / Westseite

Das Wetter in den Pyrenäen kann rasch umschlagen. Am Fuss des Col de Menté hatte ich noch schönstes Sommerwetter. Eine halbe Stunde später zogen im Aufstieg dicke Wolken auf, die immer dunkler wurden. Geregnet hat es aber nicht. Und solange es trocken ist, ist für mich alles okay. Mit dem Col de Menté habe ich nun den 17. der 34 Pässe der Route des Cols befahren. Nach zehn Tagen im Sattel und einem unfreiwilligen Ruhetag sollte ich auch etwa die Hälfte der Distanz hinter mir haben. Es bleiben mir noch maximal fünfzehn Tage. Wenn weiterhin alles rund läuft und mir das Wetter nicht einen dicken Strich durch die Rechnung macht, sollte es möglich sein, die Route des Cols zu Ende zu fahren. Ich will aber nichts verschreien, sondern weiterhin Tag für Tag schauen, wohin mich mein Fahrrad trägt. Abgerechnet wird bekanntlich am Schluss.

Saint-Béat

30. September 2025 / Frankreich / Saint-Béat / Dorf von Südwesten her

Am Fusse des Col de Menté liegt die alte Ortschaft Saint-Béat, die bloss gut dreihundert Einwohner zählt. Entlang des Flusses Garonne (der später in der Nähe von Bordeaux ins Meer fliessen wird) gibt es eine Vielzahl alter Häuser. Über dem Dorf thront eine Burg mit einer Kapelle. Bekannt ist Saint-Béat aber hauptsächlich wegen der Marmorsteinbrüche, die, nach einigen Funden zu schliessen, schon von den Römern verwendet worden waren.

Kurzer Abstecher nach Spanien

30. September 2025 / Spanien / Bossost / Dorf vom Osten her

Ab dem Col du Portillon führt die Route des Cols während knapp zwanzig Kilometern durch Spanien. Direkt unterhalb des Passes liegt die Gemeinde Bossost, die zur Autonomen Gemeinschaft Katalonien gehört. Bossost ist ein hübscher kleiner Ort mit vielen alten Gebäuden, durch den ein Bergbach rauscht. Leider gibt es aber auch viel Durchgangsverkehr.

10. Teilstrecke vom 30. September 2025

Strecke: Col du Portillon – Bossòst (E) – Saint-Béat – Col de Menté – Pont de l’Oule (und zurück)

Streckenlänge: 98 Kilometer / 2’500 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (10 Tagesetappen): 943 km / 23’900 Höhenmeter

Heutige Pässe: Col du Portillon (16. Pass / 1’293 m / jetzt beidseitig befahren) und Col de Menté (17. Pass / 1’349 m / beidseitig befahren)

Die Ostseite (spanische Seite) des Col du Portillon ist schön zu befahren. Der Einstieg ist sanft, dann wird die Strasse kontinuierlich etwas steiler, übersteigt aber nie die neun Prozent. Die Westseite des Col de Menté war heute der steilste Aufstieg. Über längere Passagen hinweg steigt die Strasse mit zehn Prozent Steigung oder sogar etwas mehr an. Die Ostseite des Col de Menté beginnt zuerst recht flach und beinhaltet unten eine ordentliche Gegensteigung. Im oberen Teil ist der Pass dann steiler, meist aber unter zehn Prozent. Die Passtrassen sind gut ausgebaut und es hat wenig Verkehr. Anders sieht es zwischen den beiden Pässen aus. Das Verkehrsaufkommen zwischen Bossòst (Spanien) und Saint-Béat ist hoch, die Strasse aber auch recht breit, so dass alles im grünen Bereich liegt.

Col du Portillon (16. Pass)

29. September 2025 / Frankreich / Col du Portillon / Passhöhe

Die Strasse hinauf auf den Col du Portillon verläuft auf der Westseite praktisch ausschliesslich im Wald. Im Sommer muss der viele Schatten eine Wohltat sein. Heute fand ich es etwas schade, dass man mit Ausnahme von Bäumen praktisch nichts zu sehen bekam. Auf der Passhöhe verläuft die Grenze zwischen Frankreich und Spanien (im Bild ist primär Frankreich zu sehen). Über die Höhe des Passes sind sich die beiden Länder nicht ganz einig. Die Spanier geben 1’292 Meter an, die Franzosen 1’293 Meter. Irgendwie typisch, ist doch im Verständnis der Franzosen in ihrem Land alles einen Tick schöner, besser und eben auch höher als anderswo.

Bagnères-de-Luchon

29. September 2025 / Frankreich / Bagnères-de-Luchon / Thermes Chambert

Bagnères-de-Luchon ist in Frankreich ein recht bekannter Thermal- und Kurort. Bereits die Römer sollen die Thermalquellen genutzt haben. Diese gerieten dann in Vergessenheit und wurden erst im 17. Jahrhundert wiederentdeckt. Im Ort gibt es einige an und für sich eindrückliche Bauten im Stil der Belle Epoquel. Mir schien aber, dass Bagnères-de-Luchon seine besten Zeiten längst hinter sich hat. Einige Hotels scheinen ganz geschlossen zu sein (Ende September ist ja kaum Zwischensaison). Andere machen einen eher heruntergekommenen Eindruck. Richtig wohl war es mir hier nicht. Daher nichts wie weiter auf den nächsten Pass.

Col de Peyresourde (15. Pass)

29. September 2025 / Frankreich / Col de Peyresourde / Ostseite

Der Col de Peyresourde ist wieder einer der Pässe, die regelmässig von der Tour de France überquert werden. Der Pass ist nicht allzu steil und daher schön zu befahren (ausser man ist gezwungen, ihn im Renntempo zu erklimmen). Auf der Ostseite gibt es unterhalb der Passhöhe einige schöne Serpentinen zu bewältigen. Gut ist, dass die Passstrasse meist durch Weideland führt, so dass man ausreichend Zeit hat, die Bergwelt zu betrachten. Die Tierart, die ich heute neu entdeckt habe (im Rahmen der Route des Cols), waren Schlittenhunde, die faul vor ihren kleinen Hütten herumlagen und wohl von Kälte und viel Schnee geträumt haben. Mir zuliebe hoffe ich doch sehr, dass ihre Träume in den nächsten drei Wochen noch nicht in Erfüllung gehen werden.

Armenteule

29. September 2025 / Frankreich / Armenteule / Église Saint-Félix

Auf dem Weg von Loudenvielle zum Col de Peyresourde fährt man unten im Tal durch zwei schöne alte Pyrenäendörfer (Armenteule und Estarvielle). Viele alte Steinhäuser prägen die Ortsbilder. Mir gefällt das sehr. In beiden Dörfern gibt es eine Kirche, selbstverständlich aus Stein gebaut. Speziell gut gefallen hat mir die romanische Église Saint-Félix, die aus dem 14. Jahrhundert stammt und wohl schon so das eine oder andere erlebt hat.

9. Teilstrecke vom 29. September 2025

Strecke: Loudenvielle – Col de Peyresourde – Bagnères-de-Luchon – Col du Portillon (und zurück)

Streckenlänge: 72 Kilometer / 2’300 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (9 Tagesetappen): 845 km / 21’400 Höhenmeter

Heutige Pässe: Col de Peyresourde (15. Pass / 1’569 Meter hoch / beidseitig befahren) und Col du Portillon (16. Pass / 1’293 m / erst Westseite befahren)

Die drei heutigen Aufstiege schätze ich als mittelschwer ein. Die Auffahrten zum Col de Peyresourde sind eher lang (knapp 1’000 Meter Höhenunterschied bei der Ostseite), aber nicht sehr steil (oft um die acht Prozent). Der Aufstieg zum Col du Portillon ist kürzer, aber steiler. Einzelne Rampen sind hier um die zehn Prozent steil (oder sogar leicht drüber).

Die heutige Tagesstrecke ist die bisher kürzeste, weil es zwischen den Pässen nur kurze Flachstücke gab. Um auf eine ordentliche Distanz zu kommen, hätte ich noch die Ostseite des Col du Portillon fahren müssen. Das war mir dann aber doch zu viel. Morgen ist ja schliesslich auch noch ein Tag.

Loudenvielle

28. September 2025 / Frankreich / Loudenvielle / Alter Ortsteil

Zwischen dem Col d’Azet und dem Col de Peyresourde liegt Loudenvielle, ein kleiner, aber recht hübscher Ferienort. Der Ort liegt nahe bei einem kleinen See, an dessen Ufer es verschiedene Möglichkeiten gibt, um sich sportlich zu betätigen. Von Loudenvielle führt eine Seilbahn in ein höher gelegenes Skigebiet mit einer Vielzahl von Bahnen. Gut gefallen hat mir der alte Ortsteil des Dorfes, in dem es viele alte gepflegte Steinhäuser gibt. Aber auch die neueren Ortsteile sehen ansprechend aus. Französische Skistationen sind in meinen Augen meist ein Graus. Loudenvielle ist ganz anders.