Der Kosovo ist spannend

27. Dezember 2025 / Kosovo / Peja / Meg Donald

Im Kosovo muss man auf nichts verzichten (oder zumindest auf fast nichts). Auch Burger-Liebhaber kommen auf ihre Rechnung. Mit dem Markenschutz nimmt man es hier allerdings nicht allzu genau. Nach vier erlebnisreichen Tagen habe ich den Kosovo heute Morgen wieder verlassen. Landschaftlich und in Sachen Sehenswürdigkeiten kann das Land nicht mit Montenegro mithalten. Trotzdem hat es mir hier gut gefallen. Der Kosovo ist definitiv spannend und es läuft recht viel. Die Menschen habe ich als offen und freundlich empfunden. Der eine oder andere fand es richtig cool, dass ich sein Land als Tourist besucht habe. Als Camperfahrer habe ich es sehr geschätzt, dass die Strassen wieder deutlich breiter waren. Grossmehrheitlich wurde sehr rücksichtsvoll und vernünftig gefahren (was in den vorangehenden Ländern nicht immer der Fall war). Ich nehme schöne Erinnerungen aus dem Kosovo mit und lasse ein paar Vorurteile zurück, die sich schlicht als falsch erwiesen haben.

Die Unvollendete

25. Dezember 2025 / Kosovo / Pristina / Katedralja Krishti Shpetimtar


Auf meiner Reise durch den Balkan habe ich unzählige Rohbauten von Gebäuden gesehen, die wohl nie vollendet werden. Dass einer Kathedrale das gleiche Schicksal blüht, ist neu für mich. Mitten in Pristina trifft man auf das Gerippe der serbisch-orthodoxen Kathedralskirche Christi des Erlösers. Die 1995 begonnenen Bauarbeiten kamen aufgrund des Kosovokriegs zum Erliegen. Ob das Gotteshaus je einmal fertiggestellt werden kann, ist ungewiss. Aktuell wird darüber gestritten, wem das Grundstück überhaupt gehört.

Pristina

25. Dezember 2025 / Kosovo / Pristina / National- und Universitätsbibliothek des Kosovo

Im Zentrum von Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, gibt es ein grösseres Basarviertel. Pristina macht dort einen recht orientalischen Eindruck, nicht zuletzt auch aufgrund der verschiedenen Moscheen, die es in der Altstadt gibt. In der kosovarischen Hauptstadt gibt es aber auch recht moderne Viertel. Eher futuristisch sieht auch die National- und Universitätsbibliothek aus. Der Gebäudekomplex wurde 1982 fertiggestellt. Er besitzt 99 Kuppeln und ist mit Stahlelementen verkleidet. Aus der Distanz sieht das Bauwerk spannend aus. Aus der Nähe muss man leider feststellen, dass die Bibliothek in die Jahre gekommen ist und einen eher verwahrlosten Eindruck macht. Schade.

Mitrovica, die geteilte Stadt

25. Dezember 2025 / Kosovo / Mitrovica / Crkva Svetog Dimitrija

Mitrovica im Nordkosovo ist eine uralte Stadt mit einer sehr bewegten Geschichte. Die Gegend war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Später gehörte Mitrovica unter anderem zum Römischen Reich, zum Byzantinischen Reich, zu Österreich, zum Königreich Serbien und dann zum Vielvölkerstaat Jugoslawien. Nach dem Kosovokrieg wurde Mitrovica 1999 in einen Südteil mit fast ausschliesslich albanischer und in einen Nordteil mit mehrheitlich serbischer Bevölkerung aufgeteilt (der sich als Teil Serbiens wahrnimmt). Die Stadt wird seitdem durch KFOR-Truppen bewacht. Diese konnten allerdings nicht verhindern, dass es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam. Heute war zum Glück alles friedlich. Würde man die Geschichte nicht bruchstückhaft kennen, wäre man wohl nie auf den Gedanken gekommen, dass man sich mitten in einem Pulverfass bewegt. Die abgebildete serbisch-orthodoxe Kirche wurde 2025 im Nordteil fertiggestellt. Ihr Bau wurde nötig, weil die alte serbisch-orthodoxe Kirche im Südteil der getrennten Stadt (im albanischen Teil) steht und durch die Serben faktisch nicht mehr benutzt werden kann.

Mirusha-Wasserfälle

24. Dezember 2025 / Kosovo / Mirusha / Wasserfälle


Wahnsinnig viele Top-Sehenswürdigkeiten gibt es nicht im Kosovo. Fast schon zu den „Must“ zählen die Mirusha-Wasserfälle. Der Fluss Mirusha fällt bei der Ortschaft Mrasor über 12 Stufen in die Tiefe, wobei sich 16 kleinere Seen gebildet haben. Der Flussabschnitt gilt als eines der Naturwunder Kosovos. An die oberen Wasserfälle gelangt man allerdings nur über anspruchsvollere Kletterpassagen mit Seilen. Aufgrund des schlechten Wetters und der nassen und rutschigen Wege habe ich mich mit dem Anblick der zwei untersten Fälle begnügt, die ich allerdings nicht wirklich spektakulär fand. Nach einer Woche in Montenegro bin ich in Sachen Naturschönheiten wohl zu stark verwöhnt und zu kritisch. Zudem sehen die Mirusha-Wasserfälle bei Sonnenschein sicher auch deutlich schöner aus als heute bei Nebel und Regen.

Patriarchenkloster Pec

23. Dezember 2025 / Kosovo / Peja / Patriarchenkloster Pec

Die Stadt Pec liegt ganz im Westen des Kosovo. Wenn man von Montenegro herkommt fällt sofort auf, dass hier viel mehr los ist: mehr Verkehr, mehr Geschäfte, mehr Dienstleistungsbetriebe, mehr Restaurants und Schnellimbisse, mehr Leute, mehr Trubel. Ausser viel Betrieb hat die Stadt selbst aber nicht allzu viel zu bieten. Mit Abstand am schönsten ist das Patriarchenkloster Pec, das mir wirklich gut gefallen hat. Die Kirche, die in vier Bereiche aufgeteilt ist, ist mit einer Vielzahl schöner Fresken geschmückt. Auch der Rest der Klosteranlage ist sehenswert. Speziell im Kosovo ist, dass man sich beim Besuch von Klöstern mit Pass oder ID ausweisen muss und registriert wird. Aber alle sind sehr freundlich und sprechen gut Englisch.

Rugova-Schlucht

23. Dezember 2025 / Kosovo / Rugova-Schlucht / Fluss

Ich bin im Kosovo angekommen und fühle mich fast schon wie zu Hause: Es gibt hohe Berge hier, dicken Nebel und überall trifft man auf Autos mit Schweizer Nummernschildern. Auch die wildromantische Rugova-Schlucht hat mich irgendwie an die Schweiz erinnert. Von den kosovarischen Städten erwarte ich nicht allzu viel. Das Schönste im Kosovo dürfte die Natur sein. Die Rugova-Schlucht war daher eine gute Einstimmung auf ein neues Land, das ich noch überhaupt nicht kenne, auf das ich aber sehr gespannt bin.