Col de Latrape (20. Pass)

2. Oktober 2025 / Frankreich / Col de Latrape / Passhöhe

Den GPM (Grand Prix de la Montagne) auf dem Col de Latrape habe ich heute überlegen gewonnen. Und das, obwohl mein Sprint alles andere als überzeugend war. Oder um ganz ehrlich zu sein: Am Schluss des Aufstiegs hatte ich gar keine Lust mehr auf einen Sprint. Aber ich war eben weit und breit der einzige Velofahrer. Ja, die Zahl der Gümmeler und auch die der Motorradfahrer hat in den letzten Tagen spürbar abgenommen. Es ist eben schon Oktober und die Schwergewichte wie Tourmalet, Aubisque und Aspin, die die Massen anziehen, liegen bereits ein ordentliches Stück hinter mir. Macht nichts. Je ruhiger, desto besser.

Wunderschöne Bergbäche

2. Oktober 2025 / Frankreich / Seix / Le Salat

In den letzten Tagen bin ich verschiedentlich Bergbächen entlanggefahren. Alle führten extrem klares Wasser. Wenn dann noch die Sonne hineinscheint, entfaltet sich eine herrliche Farbenpracht. Man fühlt sich automatisch an die schönen Bergbäche im Tessin erinnert.

Seix

2. Oktober 2025 / Frankreich / Seix / Historisches Zentrum

Seix liegt am Fusse des Col de la Core. Der Ort zählt bloss 700 Einwohner, hat aber einige Sehenswürdigkeiten wie zwei Schlossruinen, eine Burg, Kirchen und Kapellen und einige stattliche Bürgerhäuser anzubieten. Schön ist die Gebäudefront entlang des Flusses Le Salat.

12. Teilstrecke vom 2. Oktober 2025

Strecke: Sentenac-d’Oust – Seix – Col de Latrape – Aulus-les-Bains – Col d’Agnes – Étang de Lers (und zurück)

Streckenlänge: 88 Kilometer / 2’500 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (12 Tagesetappen): 1’127 km / 28’900 Höhenmeter

Heutige Pässe: Col de Latrape (20. Pass / 1’111 m / beidseitig befahren) und Col d’Agnes (21. Pass / 1’570 m / beidseitig befahren)

Der Col de Latrape ist von beiden Seiten her kurz (bloss gut 400 Höhenmeter) und einfach zu befahren (nur knapp acht Prozent Steigung). Relativ schwer ist hingegen die Südseite des Col d’Agnes. Hier sind gut 800 Höhenmeter zu überwinden und speziell im unteren Teil ist die Strasse im Durchschnitt um die zehn Prozent steil (mit einigen steileren Rampen). Einfach ist hingegen die Nordseite, falls man vom Col de Lers herkommt. Hier gilt es bloss knapp 300 Höhenmeter zu überwinden, ohne dass es irgendwo richtig steil wird. Auf beiden Seiten befindet man sich in einer wunderbaren Berglandschaft. Von den 21 bisher befahrenen Pyrenäenpässen ist der Col d’Agnes landschaftlich der schönste.

Col de la Core (19. Pass)

1. Oktober 2025 / Frankreich / Col de la Core / Westseite

Das Landschaftsbild hat sich in den letzten zwei Tagen stark verändert. Die hohen, steilen Berge der Hautes-Pyrénées sind passé. Jetzt bin ich in einer eher sanften Hügellandschaft angekommen. Relativ sanft verlaufen auch die Aufstiege zum Col de la Core, der immerhin 1’395 Meter hoch ist. Sowohl auf der West- als auch auf der Ostseite ist die Passstrasse nie wirklich steil, dafür aber recht lang. Was mir etwas Sorge bereitet, ist der Umstand, dass sie beginnen, das Vieh von den Alpwiesen abzuziehen. Ich hoffe nicht, dass das Vorzeichen eines raschen Wetterumbruchs sind. Schnee und Kälte sollen sich doch bitte noch ein Weilchen zurückhalten.

Les Bordes-sur-Lez

1. Oktober 2025 / Frankreich / Les Bordes-sur-Lez / Dorfzentrum

In Les Bordes-sur-Lez beginnt der Aufstieg zum Col de la Core. Einmal mehr bin ich hier auf ein kleines Dorf gestossen, das mir sehr gut gefallen hat. Durch das Dorf zieht ein Bergbach mit kristallklarem Wasser. Über den Bach führt eine alte Steinbrücke. Dazu eine schöne alte Steinkirche und viele schön restaurierte Häuser. Auch das Wetter könnte nicht schöner sein. Ein Anblick zum Geniessen.

Audressein

1. Oktober 2025 / Frankreich / Audressein / Kirche am Dorfbach

Audressein ist ein kleines Dorf, das zwischen dem Col de Portet-d’Aspet und dem Col de la Core liegt. In unmittelbarer Nähe der Dorfkirche war Hopo heute den Tag hindurch parkiert, währenddessen ich zuerst westwärts, dann ostwärts, und am späteren Nachmittag wieder zum Startpunkt zurückfuhr. Hopo hat es hier am Bach Bouigane so gut gefallen, dass er gleich hier übernachten möchte. Einverstanden. Es gibt genug freie Parkplätze, kaum Verkehr, kaum Passanten, keine Nachbarn, die man stören könnte, alles ist extrem ruhig. Das ist das Schöne am freien Übernachten in Frankreichs Provinzen: Meist muss man nicht lange nach schönen, passenden Übernachtungsplätzen suchen, sondern man stösst einfach auf sie.

Col de Portet-d’Aspet (18. Pass)

1. Oktober 2025 / Frankreich / Col de Portet-d’Aspet / Westseite

Die Westseite des Col de Portet-d’Aspet ist nur gut vier Kilometer lang. Das tönt nach einem lockeren Aufstieg. Ist es aber nicht. Die Durchschnittssteigung beträgt knapp 10 Prozent. Und es gibt zwischendurch Rampen, die bis zu siebzehn Prozent steil sind. Das treibt den Puls ganz schön in die Höhe. Um nicht zu übersäuern, muss man schauen, dass man den Puls schnell wieder in den grünen Bereich bekommt, was aber nicht ganz einfach ist, da es nach saumässig steil meist recht steil weitergeht. Das Positive an der happigen Steigung ist, dass man rasch einmal oben ist. Die Ostseite des Col de Portet-d’Aspet ist viel angenehmer zu fahren, sowohl bergauf als auch bergab.

Memorial Fabio Casartelli

1. Oktober 2025 / Frankreich / Col de Portet-d’Aspet / Memorial Fabio Casartelli

In den Col de Portet-d’Aspet bin ich heute mit einem mulmigen Gefühl eingestiegen. In einer der untersten Kurven stürzte der 25-jährige italienische Strassen-Olympiasieger Fabio Casartelli am 18. Juli 1995 derart fatal, dass er kurz darauf seinen schweren Verletzungen erlag. Ich habe damals den Schluss der Tour de France Etappe live am Fernsehen verfolgt und erinnere mich noch gut. Zuerst wurde nur berichtet, dass Casartelli, der noch ohne Helm unterwegs war, gestürzt sei. Erst allmählich sickerte durch, wie schlimm es war. Ich und viele andere waren geschockt. Zu jener Zeit waren Radrennen noch deutlich sicherer als Formel-1-Rennen. Das hat sich mittlerweile geändert (gut für die Formel 1, schlecht für den Radrennsport). Jahr für Jahr wird in seiner Heimat noch eine Messe für Fabio Casartelli abgehalten und es findet ein Gedenkrennen statt. Ruhe in Frieden, Fabio.

11. Teilstrecke vom 1. Oktober 2025

Strecke: Pont de l’Oule – Col de Portet-d’Aspet – Audressein – Col de la Core – Sentenac-d’Oust (und zurück)

Streckenlänge: 96 Kilometer / 2’500 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (11 Tagesetappen): 1’039 km / 26’400 Höhenmeter

Heutige Pässe: Col de Portet-d’Aspet (18. Pass / 1’069 m / beidseitig befahren) und Col de la Core (19. Pass / 1’395 m / beidseitig befahren)

Der Westaufstieg zum Col de Portet-d’Aspet ist nur gut vier Kilometer lang, die Höhendifferenz „bloss“ 420 Meter. Der Aufstieg ist aber hart. Die durchschnittliche Steigung beträgt knapp zehn Prozent mit einer Spitzensteigung von 17 Prozent. Besonders im unteren Teil kommt man gehörig ins Schwitzen. Die Ostseite ist deutlich länger, aber weniger steil und gut zu befahren. Beim Col de la Core sind beide Seiten eher flach (maximal acht Prozent Steigung). Der Pass ist daher beidseitig angenehm zu befahren.