Vorsicht vor Tieren

23. September 2025 / Frankreich / Larrau / Kühe nordöstlich von Larrau

In vielen Gegenden in den Pyrenäen zählen die Strassen zum Weideland. Speziell bei den Abfahrten ist daher Vorsicht geboten, da man immer wieder auf Tiere trifft, die sich am Rand oder mitten auf der Strasse aufhalten. Am meisten sieht man Schafe. Aber auch Kühe und Pferde trifft man wiederholt an. Ja sogar einem einsamen Pony bin ich gestern begegnet. Kühe und Pferde sind einigermassen berechenbar, weil sie unbeirrt ihren Weg gehen und nur selten ausscheren. Gefährlich sind Schafe, weil diese plötzlich in Panik geraten können (speziell dann, wenn die Scheibenbremsen nass sind und quietschen) und dann irgendwo hinrennen. Bei einem Crash gäbe es wohl ausschliesslich Verlierer.

Hilfestellung für Fahrradfahrer

23. September 2025 / Frankreich / Col Bagargui / Ostseite

Bei vielen französischen Pässen steht Kilometer für Kilometer ein Schild, das die aktuelle Höhe, die verbleibende Distanz und die durchschnittliche Steigung auf dem kommenden Kilometer anzeigt. Ich mag diese Schilder, weil man so sieht, wo man steht (beziehungsweise fährt) und sich die Kräfte etwas besser einteilen kann. Wenn dann allerdings angezeigt wird, dass die durchschnittliche Steigung auf dem nachfolgenden Kilometer 13 Prozent beträgt, dann ist das wenig erbauend. 13 Prozent im Schnitt sind wirklich steil. Persönlich kenne ich nur drei Schweizer Pässe, die noch steiler sind: der Weissenstein, der Balmberg und die Muotathaler Seite des Pragelpasses. Beim Pragelpass beträgt die Steigung über viele Kilometer hinweg um die 16 Prozent. Gut, dass ich ihn diesen Sommer gefahren bin (oder besser gesagt mich heraufgewürgt habe). So kann ich mir bei den steilen Pyrenäensanstiegen immer sagen, dass diese nur halb so schlimm sind und dass ich in diesem Sommer schon steilere Strecken bewältigt habe. Als Radfahrer muss man sich immer etwas selber überlisten.

Col Bagargui (5. Pass)

23. September 2025 / Frankreich / Col Bagargui / Ostseite

Der Col Bagargui ist der fünfte Pass, den ich befahren habe. 29 warten noch. Ab morgen wird es einfacher. Nicht das Hochfahren der Pässe wird einfacher, sondern das Aussprechen deren Namen. Der Col Bagargui ist nämlich der letzte Pass mit einem baskisch anmutenden Namen (im lokalen baskischen Dialekt heisst er Bagergiak). Ab morgen tragen die Pässe dann französisch klingende Namen, die man sich einfacher merken kann. Allmählich komme ich zudem zu den Pässen, die von der Tour de France regelmässig befahren werden und die man daher aus den Medien kennt. Wenn ich Glück habe, wird aber nicht nur die Aussprache einfacher, sondern auch die Steigungen. Denn der Ostaufstieg des Col Bagargui war wirklich steil. Wenn mehrere Motorradfahrer das Daumenhoch-Zeichen machen, dann will das etwas heissen.

3. Teilstrecke vom 23. September 2025

Streckenlänge: 84 Kilometer / 2’400 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (3 Tagesetappen): 309 km / 6’400 Höhenmeter

Heutige Pässe: Col de Burdincurutcheta (4. Pass / 1’135 Meter hoch / nun beidseitig befahren) und Col Bagargui (5. Pass / 1’327 Meter hoch / beidseitig befahren).

Die Südostseite des Col de Burdincurutcheta ist einfach zu befahren. Die Passstrasse startet auf 1’010 Metern Höhe auf einer Hochebene, weshalb bloss 125 Höhenmeter zu überwinden sind. Ähnliches gilt für die Westseite des Col Bagargui, die an der gleichen Strassenverzweigung startet. Die Strasse ist unten terrassenartig angelegt, oben ist sie zeitweilig recht steil. Schwer ist die Ostseite des Col Bagargui. Zu den gut tausend Höhenmetern kommt nach Larrau noch eine gehörige Gegensteigung hinzu, die zusätzliche 130 Höhenmeter mit sich bringt. Im mittleren Sektor ist die Strasse richtig steil. Erschwerend war heute zudem der Nebel im oberen Passbereich und die Kälte. Meine Finger werden es mir wohl lange nicht verzeihen, dass ich die wärmeren Handschuhe im Camper zurückgelassen habe.

Col de Burdincurutcheta (4. Pass)

22. September 2025 / Frankreich / Col de Burdincurutcheta / Nordwestseite

Schluss mit gemütlichem Einrollen. Der Col de Burdincurutcheta ist der erste Pass, der einen fordert. Von Saint-Jean-Pied-de-Port aus sind gut neunhundert Höhenmeter zu bewältigen. Und erstmals wird es ordentlich steil. In der unteren Passhälfte hat man längere Streckenabschnitte mit zwölf Prozent Steigung (Schweizer Alpenpässe sind selten über längere Abschnitte hinweg steiler als zehn Prozent). Heute habe ich erst einmal den nordwestlichen Anstieg bewältigt. Von der anderen Seite aus startet der Aufstieg auf einem Hochplateau und ist viel kürzer. Eigentlich wollte ich diesen Aufstieg heute auch noch bewältigen. Der Regen (auf dem Foto sind die nassen Strassen gut zu erkennen) hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dann halt eben morgen.

Saint-Jean-Pied-de-Port

22. September 2025 / Frankreich / Saint-Jean-Pied-de-Port / Alter Ortskern

Saint-Jean-Pied-de-Port ist ein bekannter Etappenort am Camino Francés des Jakobswegs. Hape Kerkeling („Ich bin dann mal weg“) ist von hier aus gestartet, und viele andere Wanderer und Pilger tun es ihm gleich. Bei einem Tagespensum von 20 bis 25 Kilometern sind es von hier aus noch 30 bis 35 Tagesetappen bis nach Santiago de Compostela. Im schönen alten Ortskern von Saint-Jean-Pied-de-Port trifft man auf einen bunten Mix aus Einheimischen, „gewöhnlichen“ Touristen und Pilgern. Dem Schritt der Pilger an kann man übrigens gut erkennen, ob sie schon länger unterwegs sind oder erst hier starten. Da haben wir Velofahrer es doch besser: Blasen und wunde Füsse sind bei uns eher die Ausnahme.

Col d’Ispéguy (3. Pass)

22. September 2025 / Frankreich / Col d’Ispéguy / Ostseite

Den gestrigen Sonntag habe ich gemütlich im Camper verbracht. Der Dauerregen, der über das Baskenland niederprasselte, zwang mich zu einem ersten ungewollten Ruhetag. Und die Wetterprognosen deuteten darauf hin, dass heute gleich ein zweiter Ruhetag folgen wird. Vor allem während der ersten Vormittagshälfte war es dann aber richtig schön. Der Col d’Ispéguy verbindet Spanien mit Frankreich. Ihn bei so schönem Wetter und nur wenig Verkehr zu befahren, hat Freude bereitet. Die Steigungen sind recht moderat, so dass man gut vorwärts kommt. Die bisherigen drei Pässe waren effektiv noch keine richtigen Herausforderungen (vor allem im Vergleich zu dem, was noch kommt). Sich die Namen dieser drei Pässe zu merken ist fast schwieriger als sie zu befahren.

Sare

20. September 2025 / Frankreich / Sare / Chapelle Sainte Catherine

Aufs Fahrrad gestiegen bin ich heute in Sare, einem alten baskischen Dorf. Die einzelnen Strecken fahre ich ja jeweils hin und zurück, da es mit bisher noch nicht gelungen ist, Hopo beizubringen, dass er mir selbständig zu meinem Zielort folgt. Ich nehme mir dann jeweils eine Tagesstrecke vor und parkiere Hopo etwa in der Mitte dieser Strecke. Dann geht es zuerst ein Stück zurück, danach zum Tagesziel und von diesem wieder zurück zu Hopo. Dieses Vorgehen hat zwei Vorteile. Ersten bin ich im Falle einer Panne, eines Zwischenfalls oder einer akuten Wetterverschlechterung maximal dreissig und nicht sechzig Kilometer von Hopo entfernt. Und zweitens ist es einfacher, den zweiten Teil der Tagesetappe je nach Tagesform zu verlängern oder zu verkürzen. Der heutige Tagesparkplatz hat sich bei meiner Rückkehr als so ruhig erwiesen, dass ich gleich hier übernachten werde.

Col de Saint-Ignace (1. Pass)

20. September 2025 / Frankreich / Col de Saint-Ignace / Train de la Rhune

Der Einstieg in die Route des Cols ist ein sanfter. Der erste Pass, der Col de Saint-Ignace, ist bloss 169 Meter hoch. Verglichen mit den Schwergewichten, die noch auf mich warten, dient dieser Pass bestenfalls dem Auflockern der Beine. Auf dem Col de Saint-Ignace war heute recht viel Betrieb. Speziell ist, dass sich auf der Passhöhe die Talstation einer Zahnradbahn befindet, die die Ausflügler auf den 888 Meter hohen Berg La Rhune transportiert. Von dort soll man eine wunderbare Aussicht auf die Küste, das Baskenland und die Pyrenäen haben. Auf die Bahnfahrt habe ich verzichtet; das Baskenland und die Pyrenäen werde ich in den kommenden Wochen noch zur Genüge betrachten können.

Am Atlantik

20. September 2025 / Frankreich / Saint-Jean-de-Luz / Atlantikküste

Die ersten gut zehn Kilometer der Route des Cols führen zwischen Hendaye und Saint-Jean-de-Luz der Atlantikküste entlang. Dann ist aber rasch fertig mit Meeresküste. In den kommenden drei Wochen werde ich nun primär Berglandschaften und Flusstäler zu sehen bekommen. Ans Meer gelangt man erst wieder ganz am Schluss der Route des Cols. Die seltene Gelegenheit, eine Küstenlandschaft in den Pyrenäen-Blog aufnehmen zu können, wollte ich mir nicht entgehen lassen.