Fahrt nach Andorra

4. Oktober 2025 / Frankreich / L’Hospitalet-près-l’Andorre / Landschaft im Südwesten

Die Route des Cols führt nicht durch Andorra. Aber nahe daran vorbei. Von Ax-les-Thermes sind es bloss 33 Kilometer bis an die andorranische Grenze. Weil ich schon lange einmal nach Andorra wollte und weil ich gut im Fahrplan bin, habe ich mich entschlossen, heute auf den Port d’Envalira zu fahren. Beim Start hatte ich ein leicht mulmiges Gefühl. Nicht wegen der Distanz und der Höhe des Passes (2’408 Meter), sondern wegen dem vielen Verkehr, der zu erwarten war. Und es hatte tatsächlich sehr viel Verkehr. Die Strasse ist aber gut ausgebaut, so dass man sich als Fahrradfahrer nicht bedroht fühlt. Heute war speziell, dass es gut einen Kilometer vor der Grenze eine Baustelle mit einer Lichtsignalanlage gibt. Und von dieser hat sich ein über zehn Kilometer langer Stau gebildet. All die Fahrzeuge, die unten an mir vorbei gebraust sind, habe ich oben wieder überholt. Viele nahmen es recht gelassen. So viele Anfeuerungsrufe wie heute habe ich mein Leben lang noch nie erhalten.

14. Teilstrecke vom 4. Oktober 2025

Strecke: Ax-les-Thermes – Pas de la Casa – Port d’Envalira – Tunneleingang West des Port d’Envalira (und zurück)

Streckenlänge: 87 Kilometer / 1’800 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (14 Tagesetappen): 1’299 km / 32’800 Höhenmeter

Heutige Pässe: Port d’Envalira (gehört nicht zur Route des Cols / 2’408 m / beidseitig befahren)

Der Nordostaufstieg zum Port d’Envalira ist lang (37 km ab Ax-les-Thermes) und der Pass hoch (2’408 Meter). Es ist aber kein schwerer Pass. Bis ins andorranische Pas de la Casa fuhr ich meist im dritt- oder viertkleinsten Gang, was bedeutet, dass die Steigung wohl unter oder bei fünf Prozent war. Auf den letzten vierhundert Höhenmetern zieht es etwas an. Die Ostseite des Schlussaufstiegs ist aber maximal acht Prozent steil, die Westseite gar nur sieben Prozent. Das Lästigste ist der Verkehr (von Ax-les-Thermes bis Pas de la Casa). Da die Strasse aber meist recht breit ist, fühlt man sich als Fahrradfahrer nicht gefährdet.

Pas de Soulombrie (23. Pass)

3 Oktober 2025 / Frankreich / Pas de Soulombrie / Westseite bei Cazenave

Auf den weniger stark frequentierten Passstrassen kann es manchmal recht eng werden, wenn es durch alte Dörfer geht. Für Radfahrer sind solche Passagen natürlich kein Problem. Wenn man aber mit dem Wohnmobil unterwegs ist, sieht es schon etwas anders aus. Der Ausbaustandard der bisher befahrenen Pässe war sehr unterschiedlich. Die Pässe mit viel Verkehr waren meist gut ausgebaut. Zum Teil war ich aber auch auf sehr engen Strassen unterwegs, wie etwa auf den beiden heutigen Pässen. Da gibt es dann halt nur eines: Geschwindigkeit anpassen.

Niaux

3. Oktober 2025 / Frankreich / Niaux / Kirche

Als Velofahrer liebt man Abfahrten auf breiten, nicht allzu steilen Strassen mit weiten Kurven und einem guten Belag, auf denen man es so richtig „ziehen“ lassen kann. Die Abfahrt vom Port de Lers war das pure Gegenteil. Die Strasse ist meist eng und hat viele unübersichtliche Kurven. An verschiedenen Stellen ist es recht steil und der Strassenbelag in keinem guten Zustand. Als Quintessenz davon ist man dauernd am Bremsen, was überhaupt nicht spassig ist. Irgendwie fühlt man sich um den Lohn des Aufstiegs betrogen. Lustig wurde es erst im Talgrund, wo es möglich war, mit höheren Tempi unterwegs zu sein. Hier gab es gelegentlich auch etwas zu sehen, wie etwa die alte Kirche von Niaux.

Port de Lers (22. Pass)

3. Oktober 2025 / Frankreich / Port de Lers / Ostseite

Zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich am Port de Lers wieder richtig in die Ferne blicken können. Meist gibt es auf den Passstrassen ja „nur“ die direkt umliegenden Berge zu sehen. Eine richtige Weitsicht hat man nur selten. Bei der Abfahrt vom Port de Lers hatte ich im ersten Moment das Gefühl, aufs Meer hinauszusehen. So gut war die Fernsicht heute aber nicht. Was man am Horizont sieht, ist die Ebene südlich von Toulouse. Damit kann man auch gut leben. Wie unschwer zu erkennen ist, war das Wetter heute nicht mehr annähernd so toll wie gestern. Aber es war trocken, und das ist das Wichtigste für mich. Den elften Tag in Folge bin ich nun ohne Regen durchgekommen. Dafür bin ich dankbar, denn das hilft mir, gut vorwärtszukommen.

13. Teilstrecke vom 3. Oktober 2025

Strecke: Étang de Lers – Port de Lers – Tarascon-sur-Ariège – Pas de Soulombrie (und zurück)

Streckenlänge: 87 Kilometer / 1’800 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (13 Tagesetappen): 1’214 km / 30’700 Höhenmeter

Heutige Pässe: Port de Lers (22. Pass / 1’517 m / beidseitig befahren) und Pas de Soulombrie (23. Pass / 911 m / erst Westseite befahren)

Vom Col d’Agnes herkommend ist der Port de Lers einfach zu befahren. Es sind bloss 220 Höhenmeter zu überwinden, die Steigungen sind moderat. Die Ostseite des Port de Lers ist hingegen happig. Speziell im unteren Teil gibt es einige längere Rampen mit einer ordentlichen Steigung (gut zehn Prozent). Beim Pas de Soulombrie gibt es nur gut 400 Höhenmeter zu bewältigen. Die Westseite, die ich heute befahren habe, ist nicht sehr steil.

Heute habe ich deutlich weniger Höhenmeter bewältigt als in den letzten Tagen. Ich habe mich bewusst etwas geschont. Morgen möchte ich einen Abstecher nach Andorra unternehmen. Und da geht es auf 2’408 Meter hinauf. 

Étang de Lers

2. Oktober 2025 / Frankreich / Col d’Agnes / Étang de Lers

Hinter dem Col d’Agnes fällt die Strasse sanft ab. Nach rund fünf Kilometern kommt man zu einem kleinen Bergsee, dem Étang de Lers. Rund um den See waren etliche Wanderer unterwegs. Zu einem Bad liess sich aber niemand hinreissen. Kein Wunder, war es doch auf 1’200 Metern Höhe nur gut zehn Grad warm. Vom Étang de Lers führt eine Strasse hinunter ins Tal, eine andere führt hinauf auf den Col de Lers. Klar, dass ich morgen die Passstrasse nehmen werde.

Col d’Agnes (21. Pass)

2. Oktober 2025 / Frankreich / Col d’Agnes / Passhöhe

In den letzten zwei Wochen sind mir immer wieder Pferde begegnet, die die Strassen für sich in Beschlag genommen haben. Im Blog abgebildet habe ich bisher noch keines. Das muss nun endlich nachgeholt werden. Das Pferd auf dem Foto war die Ruhe selbst. Ohne sich auch nur einen kleinen Schritt zu bewegen, liess es Autos, Wohnmobile sowie Motorräder neben sich vorbeifahren und es liess sich mit etlichen Touristen ablichten. Als wollte es sagen: Ich bin hier der Meister und ihr könnt mich alle mal.

Col d’Agnes – Südseite

2. Oktober 2025 / Frankreich / Col d’Agnes / Südseite

Die Südseite des Col d’Agnes ist ein eher schwerer Aufstieg. Auf knapp zehn Kilometern gilt es rund 850 Höhenmeter zu überwinden. Und das im unteren Teil mit teilweise happigen Steigungen. Trotzdem ist der Aufstieg ein Highlight. Die Berglandschaft, die man hier zu sehen bekommt, ist gewaltig. Sicher hat auch das prächtige Wetter mit dazu beigetragen, dass ich aller Anstrengungen zum Trotz begeistert oben ankam. Von den 21 Pässen, die ich im Rahmen der Route des Cols bisher befahren habe, ist der Col d’Agnes klar der schönste. Die Gegend muss auch ein Wanderparadies sein. An mehreren Stellen gibt es Parkplätze, von denen aus Wanderwege ins Gelände führen. Ich bin mir fast sicher, dass ich später einmal hierher zurückkehren werde.

Aulus-les-Bains

2. Oktober 2025 / Frankreich / Aulus-les-Bains / Aus Südwesten

Aulus-les-Bains liegt zwischen dem Col de Latrape und dem Col d’Agnes. Vom Latrape herkommend geht es über eine Brücke, dann scharf rechts, dort rund dreissig Meter relativ flach dem Bach entlang und dann beginnt bereits der Aufstieg zu Agnes. Sehr effizient. Schliesslich sind wir ja hier zum Pässefahren. Wie es der Name sagt, ist Aulus-les-Bains ein Badeort. Es gibt vier Quellen mit anerkannter Heilwirkung. Von Bädertourismus habe ich allerdings nicht viel gespürt. Auszumachen waren hingegen etliche Wanderer, was angesichts der herrlichen Berge, die es ringsherum gibt, gut nachzuvollziehen ist.