6. Oktober 2025 / Frankreich / Vernaux / Église Sainte-Marthe
Heute bin ich an drei speziell schönen Kirchen vorbeigefahren. Es war gar nicht so einfach, ein Foto auszuwählen. Am Schluss habe ich mich für eines der Église Sainte-Marthe in Vernaux entschieden. Die romanische Kirche wurde im 12. Jahrhundert von Benediktinermönchen gegründet. Im Innern soll es Fresken aus dem 15. Jahrhundert geben.
Ab dem Aufstieg am Luzenac hat man immer wieder die Burgruine von Lordat im Blickwinkel. Die vielen Kondensstreifen am Himmel gaben der Burg heute Morgen einen zusätzlichen Touch.
6. Oktober 2025 / Frankreich / Pas de Soulombrie / Südostseite
Auch in den Pyrenäen hält der Herbst allmählich Einzug. Immer mehr Bäume verfärben sich, was die ohnehin schon schöne Landschaft noch reizvoller macht. Der Pas de Soulombrie wird kaum von Touristen befahren, ist landschaftlich aber sehr schön. Da der Pass bloss 911 Meter hoch ist, ist er auch für Gelegenheitsfahrer machbar.
Bisherige Gesamtstrecke (15 Tagesetappen): 1’384 km / 34’600 Höhenmeter
Heutige Pässe: Pas de Souloumbrie (23. Pass / 911 Meter / jetzt beidseitig befahren), Col du Chioula (24. Pass / 1449 Meter / beidseitig befahren) und Col de Marmare (25. Pass / 1361 Meter / beidseitig befahren)
Die Südostseite des Pas de Soulombrie ist landschaftlich schön, verkehrsarm und relativ einfach zu befahren. Gewählt habe ich den Aufstieg ab Luzenac, da man so weniger lang auf der stark frequentierten Talstrasse fahren muss. Der Col du Chioula ist von Süden her mittelschwer (750 Meter Höhendifferenz, bis maximal zehn Prozent steil). Von Nordosten her ist er einfach. Den Col de Marmare nimmt man im Rahmen der Route des Cols quasi gratis mit, da die eigentliche Passhöhe bloss eine Strassenverzweigung ist, die mitten im Nordostaufstieg zum Col du Chioula liegt. Ein echter Passaufstieg ist es nur, wenn man von Savignac-les-Ormeaux aus hochfährt, was aber nicht Teil der Route des Cols ist.
4. Oktober 2025 / Frankreich / L’Hospitalet-près-l’Andorre / Landschaft im Südwesten
Die Route des Cols führt nicht durch Andorra. Aber nahe daran vorbei. Von Ax-les-Thermes sind es bloss 33 Kilometer bis an die andorranische Grenze. Weil ich schon lange einmal nach Andorra wollte und weil ich gut im Fahrplan bin, habe ich mich entschlossen, heute auf den Port d’Envalira zu fahren. Beim Start hatte ich ein leicht mulmiges Gefühl. Nicht wegen der Distanz und der Höhe des Passes (2’408 Meter), sondern wegen dem vielen Verkehr, der zu erwarten war. Und es hatte tatsächlich sehr viel Verkehr. Die Strasse ist aber gut ausgebaut, so dass man sich als Fahrradfahrer nicht bedroht fühlt. Heute war speziell, dass es gut einen Kilometer vor der Grenze eine Baustelle mit einer Lichtsignalanlage gibt. Und von dieser hat sich ein über zehn Kilometer langer Stau gebildet. All die Fahrzeuge, die unten an mir vorbei gebraust sind, habe ich oben wieder überholt. Viele nahmen es recht gelassen. So viele Anfeuerungsrufe wie heute habe ich mein Leben lang noch nie erhalten.
Bisherige Gesamtstrecke (14 Tagesetappen): 1’299 km / 32’800 Höhenmeter
Heutige Pässe: Port d’Envalira (gehört nicht zur Route des Cols / 2’408 m / beidseitig befahren)
Der Nordostaufstieg zum Port d’Envalira ist lang (37 km ab Ax-les-Thermes) und der Pass hoch (2’408 Meter). Es ist aber kein schwerer Pass. Bis ins andorranische Pas de la Casa fuhr ich meist im dritt- oder viertkleinsten Gang, was bedeutet, dass die Steigung wohl unter oder bei fünf Prozent war. Auf den letzten vierhundert Höhenmetern zieht es etwas an. Die Ostseite des Schlussaufstiegs ist aber maximal acht Prozent steil, die Westseite gar nur sieben Prozent. Das Lästigste ist der Verkehr (von Ax-les-Thermes bis Pas de la Casa). Da die Strasse aber meist recht breit ist, fühlt man sich als Fahrradfahrer nicht gefährdet.
3 Oktober 2025 / Frankreich / Pas de Soulombrie / Westseite bei Cazenave
Auf den weniger stark frequentierten Passstrassen kann es manchmal recht eng werden, wenn es durch alte Dörfer geht. Für Radfahrer sind solche Passagen natürlich kein Problem. Wenn man aber mit dem Wohnmobil unterwegs ist, sieht es schon etwas anders aus. Der Ausbaustandard der bisher befahrenen Pässe war sehr unterschiedlich. Die Pässe mit viel Verkehr waren meist gut ausgebaut. Zum Teil war ich aber auch auf sehr engen Strassen unterwegs, wie etwa auf den beiden heutigen Pässen. Da gibt es dann halt nur eines: Geschwindigkeit anpassen.
Als Velofahrer liebt man Abfahrten auf breiten, nicht allzu steilen Strassen mit weiten Kurven und einem guten Belag, auf denen man es so richtig „ziehen“ lassen kann. Die Abfahrt vom Port de Lers war das pure Gegenteil. Die Strasse ist meist eng und hat viele unübersichtliche Kurven. An verschiedenen Stellen ist es recht steil und der Strassenbelag in keinem guten Zustand. Als Quintessenz davon ist man dauernd am Bremsen, was überhaupt nicht spassig ist. Irgendwie fühlt man sich um den Lohn des Aufstiegs betrogen. Lustig wurde es erst im Talgrund, wo es möglich war, mit höheren Tempi unterwegs zu sein. Hier gab es gelegentlich auch etwas zu sehen, wie etwa die alte Kirche von Niaux.
3. Oktober 2025 / Frankreich / Port de Lers / Ostseite
Zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich am Port de Lers wieder richtig in die Ferne blicken können. Meist gibt es auf den Passstrassen ja „nur“ die direkt umliegenden Berge zu sehen. Eine richtige Weitsicht hat man nur selten. Bei der Abfahrt vom Port de Lers hatte ich im ersten Moment das Gefühl, aufs Meer hinauszusehen. So gut war die Fernsicht heute aber nicht. Was man am Horizont sieht, ist die Ebene südlich von Toulouse. Damit kann man auch gut leben. Wie unschwer zu erkennen ist, war das Wetter heute nicht mehr annähernd so toll wie gestern. Aber es war trocken, und das ist das Wichtigste für mich. Den elften Tag in Folge bin ich nun ohne Regen durchgekommen. Dafür bin ich dankbar, denn das hilft mir, gut vorwärtszukommen.
Bisherige Gesamtstrecke (13 Tagesetappen): 1’214 km / 30’700 Höhenmeter
Heutige Pässe: Port de Lers (22. Pass / 1’517 m / beidseitig befahren) und Pas de Soulombrie (23. Pass / 911 m / erst Westseite befahren)
Vom Col d’Agnes herkommend ist der Port de Lers einfach zu befahren. Es sind bloss 220 Höhenmeter zu überwinden, die Steigungen sind moderat. Die Ostseite des Port de Lers ist hingegen happig. Speziell im unteren Teil gibt es einige längere Rampen mit einer ordentlichen Steigung (gut zehn Prozent). Beim Pas de Soulombrie gibt es nur gut 400 Höhenmeter zu bewältigen. Die Westseite, die ich heute befahren habe, ist nicht sehr steil.
Heute habe ich deutlich weniger Höhenmeter bewältigt als in den letzten Tagen. Ich habe mich bewusst etwas geschont. Morgen möchte ich einen Abstecher nach Andorra unternehmen. Und da geht es auf 2’408 Meter hinauf.