Col de Ternère (31. Pass)

10. Oktober 2025 / Frankreich / Lac de Vinça / Stausee

Der Col de Ternère ist wieder ein Pass, der eigentlich gar keiner ist. Von Prades her kommend steigt die Strasse dauernd leicht an und fällt dann wieder ab. Und bei einem dieser doch eher flachen Anstiege steht plötzlich eine Passtafel. Ohne diese Tafel hätte man wirklich nicht gemerkt, dass man oben auf einem Pass ist. Gut, dieser ist auch bloss 233 Meter hoch. Und zu sehen gibt es neben der Schnellstrasse rein gar nichts. Schon etwas attraktiver ist der Stausee (Lac de Vinça), an dem man kurz vorher vorbeifährt. Der tiefe Pegelstand des Sees erinnert mich daran, dass es seit zweieinhalb Wochen nicht mehr geregnet hat. Was für ein Wetterglück, das mir zuteil wird.

19. Teilstrecke vom 10. Oktober 2025

Strecke: Prades – Col de Ternère – Col de Fourtou – Col de Xatard – Amélie-les-Bains (und zurück)

Streckenlänge: 115 Kilometer / 1’600 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (19 Tagesetappen): 1’802 km / 40’600 Höhenmeter

Heutige Pässe: Col de Ternère (31. Pass / 233 Meter / beidseitig befahren), Col de Fourtou (32. Pass / 656 Meter / beidseitig befahren) und Col de Xatard (33. Pass / 752 Meter / beidseitig befahren)

Alle drei heutigen Pässe sind einfach zu befahren. Steil wird es bei keinem Anstieg. Sehr unterschiedlich war heute das Verkehrsaufkommen. Von Prades bis Bouleternère (knapp 15 Kilometer) befindet man sich auf einer stark befahren Strasse, wo es laut und nervig ist. Von Bouleternère bis Amélie-les-Bains (über 40 Kilometer) fährt man dann durch einsame Wälder und begegnet bloss alle fünf bis zehn Minuten einem Auto oder Motorrad. Herrlich.

Villefranche-de-Conflent

9. Oktober 2025 / Frankreich / Villefranche-de-Conflent / Stadtmauer

Villefranche-de-Conflent gehört offiziell zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Aktuell gibt es über das ganze Land verteilt 164 Dörfer, die diese Auszeichnung tragen dürfen. Um auserkoren zu werden, müssen die Dörfer strenge Kriterien wie etwa eine intakte historische Bausubstanz erfüllen. Villefranche-de-Conflent ist vollständig von einer bestens erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer umgeben. Innerhalb der Mauer gibt es reizvolle Gassen und die mächtige romanische Kirche Saint-Jacques. Oberhalb der Stadt thront das Fort Libéria, das zur Festungsanlage von Vauban gehört und Teil des UNESCO-Welterbes ist. Ein eindrücklicher Ort.

Col de la Perche (30. Pass)

9. Oktober 2025 / Frankreich / Col de la Perche / Passhöhe


Mit dem Col de la Perche (1579 Meter) habe ich heute den letzten hohen Pass bewältigt, der zur Route des Cols gehört. Es bleiben nun noch vier kleinere Pässe und gut 200 Kilometer Strecke (hin und zurück). Der Aufstieg von Prades her ist deutlich steiler als es die Anstiege in den letzten Tagen waren. Insgesamt gehört der Col de la Perche zu den schwierigeren Pässen. Schade, dass die Landschaft oben auf dem Pass recht eintönig ist. Dafür gibt es noch eine alte, steinerne Passtafel, die man immer seltener sieht. Und – oh Wunder in unserer heutigen Zeit -, sie ist noch mit keinem einzigen Abziehbild verunstaltet. Und es bietet sich auch eine gute Gelegenheit, um endlich einmal meinem Gravel-Bike zu einem Auftritt im Blog zu verhelfen. Pannenfrei hat es mich nun bergauf und bergab über dreissig Pässe begleitet. Hopo ist wichtig, aber auf dieser Reise war mein Bike noch eine Spur wichtiger.

18. Teilstrecke vom 9. Oktober 2025

Strecke: Col de la Quillane – Col de la Perche – Prades (und zurück)

Streckenlänge: 88 Kilometer / 1’500 Höhenmeter

Bisherige Gesamtstrecke (18 Tagesetappen): 1’687 km / 39’000 Höhenmeter

Heutige Pässe: Col de la Perche(30. Pass / 1579 Meter / beidseitig befahren)

Vom Col de la Quillane her ist der Col de la Perche extrem einfach zu befahren. Zuerst fällt die Strasse ab, dann verläuft sie flach oder steigt nur leicht an. Und schon ist man nach wenigen Kilometern auf dem Pass. Anders sieht der Aufstieg von der Ostseite her aus. Hier gilt es ab Prades 1’250 Höhenmeter zu überwinden. Die Steigung ist im oberen Teil während längerer Zeit bei zehn Prozent. Alles in allem ist es einer der schwereren Pässe im Rahmen der Route des Cols.

Monument Emmanuel Brousse

8. Oktober 2025 / Frankreich / Mont-Louis / Monument Emmanuel Brousse

Das Monument Emmanuel Brousse liegt zwischen dem Col de la Quillane und dem Col de la Perche, den ich morgen auf dem Programm habe. Der Kreisel rund um das Denkmal war für mich heute der ideale Ort um zu wenden. Von hier aus hatte ich zuerst noch den Südaufstieg des Quillane zu bewältigen, der allerdings kurz und leicht ist. Nach einer kurzen Abfahrt folgte die Querung des Hochplateaus und dann eine 25 Kilometer lange Abfahrt der Aude entlang, die einfach nur herrlich war. Zurück zum Denkmal. Emmanuel Brousse war ein bekannter französischer Kriegspilot, Journalist, Politiker, Diplomat und Unternehmer, der aus der Region stammt. Was man nicht alles lernt, wenn man auf dem Fahrrad unterwegs ist.

Festung Mont-Louis

8. Oktober 2025 / Frankreich / Mont-Louis / Festung

Vor und nach dem Col de la Quillane sind mir andauernd Militärfahrzeuge begegnet. Ich begann, mich zu fragen, was das Ganze soll. In Mont-Louis hat sich das Rätsel von alleine gelöst. Das kleine Dorf Mont-Louis ist mehrheitlich in einer Festungsanlage aus dem 17. Jahrhundert untergebracht, die nach den Plänen des bekannten Festungsarchitekten Vauban erbaut wurde. Innerhalb der Festung gibt es eine Zitadelle, und diese wird von Streitkräften der französischen Armee benutzt, die dann eben gelegentlich in die nähere Umgebung ausschwirren.

Col de la Quillane (29. Pass)

8. Oktober 2025 / Frankreich / Col de la Quillane / Südlich der Passhöhe

Nach dem Tourmalet (2115 Meter) ist der Col de la Quillane mit seinen 1714 Metern der zweithöchste Pass, der im Rahmen der Route des Cols befahren wird. Er ist fünf Meter höher als der viel bekanntere Aubisque. Auf dem Pass erinnert aber wenig ans Hochgebirge. Die Landschaft gleicht einem flachen Bergrücken. In der Umgebung sind keine hohen Berge auszumachen. Die von Süden her kommende Strasse führt mit einer geringen Steigung schnurgerade auf die Passhöhe zu. Den zweithöchsten Pass der Route des Cols habe ich mir irgendwie anders vorgestellt.

Lac de Matmale

8. Oktober 2025 / Frankreich / Matmale / Lac de Matmale

Auf der Hochebene unterhalb des Col de la Quillane gibt es zwei Stauseen. Speziell der Lac de Matmale passt meiner Meinung nach herrlich in die Landschaft. Stromerzeugung scheint hier in der Gegend ein wichtiger Wirtschaftsfaktor zu sein, bin ich doch entlang des Flusses Aude an mehreren kleineren Kraftwerken vorbeigefahren. Weiter scheint auch der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle zu sein. Es hat hier oben mehrere Skistationen und sogar Sprungschanzen.

Formiquères

8. Oktober 2025 / Frankreich / Formiquères / Église Sainte-Nativité-Notre-Dame

Um auf den Col de la Quillane zu gelangen, folgt man ab Quillan unentwegt dem Fluss Aude. Während gut vierzig Kilometern schlängelt sich die Strasse kontinuierlich das enge Tal hinauf. Zum Teil durchquert man superschöne Schluchten. Die Strasse ist eng und erfordert vollste Konzentration (speziell mit einem Wohnmobil, bei der Talfahrt aber auch mit dem Fahrrad). Die Landschaft ist sehr schön, aber auch einengend. Richtig durchatmen kann man auf dem Hochplateau um Formiquères, das auf circa 1400 Metern Höhe liegt. Das Zentrum vom Formiquères sieht aus wie Frankreich aus dem Bilderbuch: eine alte Kirche, helle Häuser, ein Krämerladen, ein Bistrot, blauer Himmel und viel Sonne. Einfach herrlich.