Bisher haben wir in Irland nur wolkenverhangene Abende erlebt. Logisch, dass wir auch noch keinen Sonnenuntergang mitverfolgen durften. Das hat sich heute geändert. An unserem 13. Abend in Irland erleben wir tatsächlich einen Sonnenuntergang. Und das an einem speziell schönen Ort. Das westlich von Grange gelegene Streedagh verfügt über einen schier endlos langen Sandstrand, der sich einer vorgelagerten Lagune entlang zieht. Und – Ebbe sei dank – ist dieser momentan auch extrem breit.
28. Juli 2024 / Irland / Streedagh / de Cuellar Armada Monument
Francisco de Cuellar war Kapitän eines spanischen Segelschiffs. Den Eingang in die Geschichtsbücher hat er dem Umstand zu verdanken, dass sein Schiff 1588 während einer aussergewöhnlichen Sturmsaison vor der Küste Irlands sank. de Cuellar konnte sich retten und später seine Erlebnisse niederschreiben. Zum Andenken an ihn und die gesamte spanische Armada, die hier schwere Verluste erlitt, hat man in der Nähe von Grange ein Monument errichtet. Dieses ist schön in die Küstenlandschaft eingebettet, was der Hauptgrund dafür ist, dass de Cuellar Aufnahme in diesen Blog fand.
Auf meiner heutigen Velotour bin ich nordwestlich von Sligo abseits der grossen Strassen auf den kleinen Fischerhafen von Raghly gestossen. Obwohl der Hafen für Fahrzeuge nur schwer erreichbar ist, ist er für irische Verhältnisse sehr gut ausgebaut. Was steckt wohl dahinter? Eine Tafel am Rande des Hafens verrät es: der Um- und Ausbau wurde mit EU-Fördergeldern unterstützt. Wie viele EU-Steuergelder hier verbuttert wurden – beziehungsweise um welche Summer der EU-Schuldenberg weiter angewachsen ist – wird nicht erwähnt. Ob die Fangquote mit dem grosszügigen Um- und Ausbau gestiegen ist, wage ich zu bezweifeln.
Im Nordwesten Irlands wird noch häufig Torf abgebaut. Kein Wunder angesichts der vielen Moorböden, die es hier gibt. Offenbar heizen immer noch recht viele Iren mit Torf, was fürs Klima nicht speziell gut sein soll. Wir wollen das nicht verurteilen. Das gehört sich nicht für Gäste. Und unser Hopo läuft ja schliesslich auch nicht mit Wasser. Wobei wir gesamthaft betrachtet doch recht ökologisch unterwegs sind. Am stärksten belastet wird unsere persönliche Ökobilanz durch die 12,5 Liter Diesel, die Hopo pro 100 Kilometer in Anspruch nimmt (plus ein paar zusätzliche Tropfen, wenn wir heizen müssen). Sonst sind wir sparsam unterwegs. Elektrizität beziehen wir von den Solarzellen auf dem Dach. Pro Woche konsumieren wir rund zwei Liter Flüssiggas fürs Kochen und fürs Warmwasser. Frischwasser verbrauchen wir rund 15 Liter pro Tag und Person (bei täglichem Duschen). Damit dürfe unser ökologischer Fussabdruck kein allzu grosser sein. Dumm nur, dass unsere Wohnung zu Hause, die jetzt viel leer steht, aber gleichwohl geheizt werden muss, unsere persönliche Ökobilanz wohl markant verschlechtert. Ja, auch wir sind kleine Sünder, können aber gut damit umgehen.
27. Juli 2024 / Irland / Bei der Keem Bay auf Achill Island
Lange haben wir gezweifelt, dass es in Irland mehr Schafe als Kühe geben soll. Jetzt glauben wir es. Hier im Nordwesten wimmelt es tatsächlich von Schafen. Meist grasen sie in eingezäunten Weiden. Weit abseits der Zentren begegnet man ihnen aber auch direkt am Strassenrand – oder manchmal eben auch auf der Strasse. Vorsicht ist geboten, dann in Irland haben Schafe stets Vortritt. Und davon machen sie gerne auch Gebrauch, indem sie unverhofft auf die Strasse laufen. Und das, ohne irgend ein Zeichen zu geben. Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass praktisch alle Schafe auffällig mit Farbe gekennzeichnet sind. Meist sind sie recht scheu. So nahe wie bei dieser Aufnahme kommt man nur selten ans sie heran.
27. Juli 2024 / Irland / Achill Head auf Achill Island
Heute fahren wir auf die Achill Island im Nordwesten Irlands. Mit einer Fläche von 146 Quadratkilometern ist sie die grösste Insel abseits der Hauptinsel. Achill Island ist nur durch einen schmalen Meeresstreifen vom Festland (beziehungsweise von der Hauptinsel) getrennt und kann bequem über eine Brücke erreicht werden. Wir treffen auf etliche herrliche Strände, wo tatsächlich zum Teil gebadet wird. Im Südwesten der Insel unternehmen wir eine schöne Wanderung, die allerding mit teilweise happigen Aufstiegen garniert ist. Von den einzelnen Kuppen hat man einen prächtigen Blick auf die Klippen und zuäusserst auf die ins Meer abfallende Landspitze. Das Wandern auf dem federnden Moorboden ist ganz speziell, im steileren Gelände aber auch tricky. Wir geniessen eine super Nachmittag bei schönem Wetter, aber eher kühlen Temperaturen.
Westport zählt zu den schönsten Städtchen Irlands. Uns gefällt es tatsächlich. Der herrliche Sonnenschein, der uns gerade verwöhnt, mag zu dieser positiven Einschätzung das seinige mit beigetragen haben. Typisch für Irland sind die farbigen Häuser. Hier ist man bei der Farbwahl eher noch zurückhaltend umgegangen. Oft findet man grüne, blaue oder rote Häuser. Bei uns käme das wohl nicht allzugut an oder wäre je nach Gemeinde gar verboten. Hier tragen die bunten Häuser gerade bei trübem Wetter etwas zur Aufheiterung bei.
Den Connemara-Nationalpark verlassen wir mit der Absicht, vorerst einmal nach Westport und danach noch ein Stückchen weiter nordwärts zu fahren. Am Killary Harbour treffen wir aber auf einen Rastplatz, der uns so gut gefällt, dass wir bleiben. Der Killary Harbour ist gemäss Wikipedia der einzige Fjord Irlands. Er ist gut 15 Kilometer lang und bis zu 45 Meter tief. Am Ende des Fjords treffen wir auf einige Muschel- und Lachszuchten. Verkaufsstellen haben wir keine gesehen, so dass wir uns mit vorzüglich zubereiteten Tortelloni „begnügen“.
Der Connemara-Nationalpark ist einer von sechs irischen Nationalparks. Er liegt nordwestlich von Galway. Drei Wanderrouten führen durch das Zentrum des Parks, der sich vor allem durch seine Moor- und Heidelandschaften auszeichnet. Der Park gefällt uns gut. Aber noch schöner finden wir die Landschaften rund um den Park. Dort findet man viele kleinen Seen und tolle Küsten. Eine Ecke Irlands, die man wirklich besuchen sollte.
Auf unserer Fahrt zum Connemara-Nationalpark treffen wir auf Jenny und Fany. DIe Iren erleben wir bisher als sehr freundlich und aufgeschlossen. Und so sind auch Jenny und Fany. Unser Hopo interessiert sie sehr. Am liebsten wären sie wohl direkt eingestiegen. Das lassen wir aber lieber sein. Unsere Fahrerkabine benötigen wir ja schliesslich noch für zahlreiche weitere Reisen, die wir in Planung haben.