Ende der Fahnenstange

22. Dezember 2025 / Montenegro / Sedlo-Pass / Passstrasse auf Ostseite

Ich bin nicht allzu leicht aus der Ruhe zu bringen. Irgendwie beschlich mich aber doch ein ungutes Gefühl. Und je weiter ich den Pass hochfuhr und je höher die Schneewälle an den Strassenrändern wurden, um so mulmiger wurde es mir. Und siehe da: Knapp drei Kilometer unterhalb der Passhöhe endete die freigemachte Fahrspur. Es gab kein Weiterkommen. Und ein Wenden auch nicht. So kam ich in den Genuss einer Gratis-Nachhilfestunde im Rückwärtsfahren. Bis zum ersten möglichen Wendepunkt durfte ich über zwei Kilometer lang im Rückwärtsgang den Pass hinunterfahren. Jetzt war mir plötzlich klar, warum am gestrigen Abend und in der Nacht keine Fahrzeuge an meinem Übernachtungsplatz vorbeigefahren sind.
Nach dem Wenden war auch klar, dass der Durmitor-Ring für dieses Jahr erledigt ist. Schade. Das kurze Stück, das ich gesehen habe, war aber extrem schön. Ich werde wiederkommen. Aber nicht mehr im Winter.

Sedlo-Pass

22. Dezember 2025 / Montenegro / Sedlo-Pass / Passstrasse auf Ostseite


Zu Beginn des Durmitor-Rings geht es auf den 1907 Meter hohen Sedlo-Pass. Bei der Einfahrt in den Pass war die Strasse schön trocken und problemlos zu befahren. Dann hatte es auf einmal an schattigen Stellen etwas Schnee und Eis in der Mitte der Fahrspur. Aber alles kein Problem. Etwas weiter kamen dann plötzlich kleine Schneewälle auf beiden Fahrspurseiten. Und diese Wälle wurden von Kurve zu Kurve etwas höher. Wenden war nicht mehr möglich, da die Strasse zu schmal war und es keine Ausweichstellen mehr gab. Rückwärtsfahren ging meiner Einschätzung nach auch nicht, da ja ein Fahrzeug hätte folgen können. Also nichts wie durch und hoffen, dass es keinen Gegenverkehr gibt und dass doch irgendwann eine Ausweichstelle oder ein Wendeplatz kommt.

Durmitor-Ring

22. Dezember 2025 / Montenegro / Sedlo-Pass / Berge auf der Ostseite


Der Durmitor-Nationalpark liegt im Nordwesten Montenegros. Es gibt eine rund achtzig Kilometer lange Panoramastrasse (den Durmitor-Ring), die durch den Nationalpark führt. Gemäss allen Berichten, die ich gelesen habe, muss die Landschaft hier speziell schön sein. Die Panoramastrecke liegt nicht direkt an meinem Weg. Ich habe mir aber vorgenommen, dass ich bei schönem Wetter den Umweg in Kauf nehme. Und das Wetter heute war nicht nur schön, sondern prächtig. Also nichts los und ab auf den Durmitor-Ring.

Morgenstimmung am Sedlo-Pass

22. Dezember 2025 / Montenegro / Sedlo-Pass / Morgenstimmung

Es war eine kalte Nacht am Fusse des Sedlo-Passes auf knapp 1600 Meter Höhe. Aber Hopo verfügt zum Glück über eine gute Heizung, so dass es im Bett wohlig warm war. Und es war ausgesprochen ruhig. Ich habe direkt am Rande der Passstrasse übernachtet und nie ein Auto gehört. Warum dem so war, habe ich dann heute Morgen erfahren. Kaum war ich aufgestanden, kam ich in den Genuss einer herrlichen Morgenstimmung. Das war genau der richtige Start in einen sehr erlebnisreichen Tag, von dem es hundert kleine Geschichten zu erzählen gäbe.

Kloster Ostrog

21. Dezember 2025 / Montenegro / Ostrog / Kloster

Das serbisch-orthodoxe Kloster Ostrog liegt gut dreissig Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Podgorica. Es ist eine der heiligsten Stätten des ganzen Balkans. Das Kloster wurde im 17. Jahrhundert unter einer hoch aufragenden Felswand in eine Felsnische hineingebaut und gilt als architektonisches Wunder. Die Klosterkirche ist auch eine wichtige Pilgerstätte für Gläubige aus vielen Religionen, da hier die Reliquien des Heiligen Basilius von Ostrog aufbewahrt werden. Das Kloster war dann heute auch recht gut besucht (den Autonummern zufolge praktisch ausschliesslich von Montenegrinern).

Podgorica

21. Dezember 2025 / Montenegro / Podgorica / Kathedrale der Auferstehung Christi

Podgorica ist die Hauptstadt Montenegros. Die Stadt zählt 180’000 Einwohner, was beinahe dreissig Prozent der montenegrinischen Bevölkerung entspricht. Podgorica wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig niedergebombt. Es ist daher eine moderne Stadt, in der es kaum noch historische Bausubstanz gibt. Das als Altstadt bezeichnete Quartier ist aus touristischer Sicht denn auch uninteressant. Mit Abstand am besten gefallen hat mir die serbisch-orthodoxe Kathedrale. Bei Prachtwetter wie heute kommt der Bau aus hellem Kalkstein speziell gut zur Geltung.

Spektakuläre Flussschleife

21. Dezember 2025 / Montenegro / Rijeka Crnojevica / Flussschleife

Bevor der Fluss Crnojevica in den Skandersee mündet, umfliesst er nahe der Ortschaft Rijeka Crnojevica in einer weiten Schleife eine Felsformation. Die Flussschleife wird oft mit dem bekannten Horseshoe Bend in Arizona verglichen, nur dass der Fluss hier grüner sein soll. Direkt an der in der Höhe vorbeiführenden Strasse gibt es einige Aussichtspunkte, von denen aus man die fantastische Landschaft betrachten kann. Das Beste dabei: Nicht nur die Flussschleife sieht spektakulär aus, sondern die gesamte Landschaft auf der kurvenreichen Anfahrt von Virpazar her.

Virpazar

20. Dezember 2025 / Montenegro / Virpazar / Fluss Crmnica

Virpazar liegt am Fluss Crmnica, der hier in den Skutarisee fliesst. In meinem nicht mehr ganz taufrischen Reiseführer wird Virpazar noch als Fischerdorf angepriesen. Berufsfischer und Fischerboote habe ich allerdings keine gesehen. Dafür eine Reihe von Ausflugsbooten. Virpazar ist der Ort, von dem aus die meisten Touristen zu einer Bootstour starten. Den wenigen Gästen, die mir heute in Virpazar begegnet sind, war allerdings mehr nach Essen denn nach einer Bootsfahrt zumute.

Skutarisee

20. Dezember 2025 / Montenegro / Skutarisee / See bei Virpazar

Der Skutarisee ist der grösste See auf der Balkanhalbinsel. Er ist fast fünfzig Kilometer lang. Zwei Drittel des Sees liegen in Montenegro, ein Drittel in Albanien. Landschaftlich ist er einer der schönsten Seen, die ich je gesehen habe. Er ist von schroffen Karstbergen umgeben. Immer wieder ragen dem Ufer entlang kleinere Inseln aus dem Wasser. Dazu gibt es Sumpfgebiete. Bekannt ist der See auch für seine reiche Vogelwelt, zu der auch Pelikane gehören. Pelikane habe ich leider keine sichten können. Die im Wasser stehenden Bäume haben mir aber auch gut gefallen.