Richtig gepokert

10. Januar 2026 / Griechenland / Chalkida / Kirche Agios Nikolaos

Ursprünglich hatte ich im Sinn, noch ein paar Tage im Westen Griechenlands zu bleiben. Alle Wetterkarten sagten aber in etwa das Gleiche: Dauerregen im Westen Griechenlands, recht schönes Wetter im Osten. Ich habe mich daher entschlossen, relativ zügig auf die Ostseite zu wechseln. Und das war sicher richtig. Heute bin ich mit viel Sonne und zwanzig Grad Wärme verwöhnt worden. Und bis ich am 16. Januar in die Schweiz zurückkehre, sollte es recht sonnig bleiben. Der Wechsel hat auch den Vorteil, dass ich nicht mehr allzu weit von Athen entfernt bin. Zurzeit blockieren protestierende Landwirte wichtige Autobahnen und Verkehrsknotenpunkte. Auf der Fahrt nach Chalkida wurde ich viermal umgeleitet und musste ordentliche Umwege in Kauf nehmen. Da damit gerechnet wird, dass die Proteste anhalten, ist es sicher von Vorteil, dass ich nicht mehr allzu weit vom Flughafen entfernt bin.

Ab auf die Insel

10. Januar 2026 / Griechenland / Chalkida / Alte Evripos Brücke

In Griechenland gibt es über hundert bewohnte Inseln. Die allermeisten sind nur per Schiff, Fähre oder Flugzeug erreichbar. Anders die Insel Euböa. Um auf sie zu gelangen, muss man in Chalkida bloss die 42 Meter lange Evripos Brücke überqueren. Und Euböa ist nicht etwa ein unbedeutendes kleines Inselchen, sondern hinter Kreta die zweitgrösste Insel Griechenlands. Die Insel ist 175 Kilometer lang und 3660 Quadratkilometer gross (grösser als der Kanton Tessin). Ich habe im Sinn, mindestens zwei Tage hierzubleiben. Das tolle Wetter muss genutzt werden. Und ich sollte endlich wieder einmal mein Fahrrad bewegen, bevor es einrostet.

Delphi

9. Januar 2026 / Griechenland / Delphi / Archäologische Stätte

„Du musst unbedingt Delphi besuchen“, hat mir der junge Parkplatzaufseher vom Varlaam-Kloster mit auf den Weg gegeben. Artig wie ich bin, habe ich mich bestens für den wertvollen Tipp bedankt. Wobei: So wertvoll war der Tipp nun auch wieder nicht. Ich hätte Delphi ohnehin besucht. Die Ausgrabungsstätte gehört fast schon zum Pflichtprogramm, wenn man hier in der Gegend ist. Die Ruinenstadt liegt herrlich an einem steilen Berghang auf rund 700 Metern Höhe und ist wirklich sehenswert. Das Modell der Gesamtanlage, die die alten Griechen vor rund 2500 Jahren erbaut haben, ist eindrücklich. Ich habe mich dauernd gefragt, wie man bloss dazu kommt, in einer so abgelegenen Gegend eine so riesige Prachtanlage zu bauen. Einmal mehr hat mir das Internet die Antwort geliefert. Laut einer Sage liess Zeus zwei Adler von den Enden der Welt aufsteigen, die sich genau hier in Delphi trafen. Der Ort wurde damit zum „Nabel der Welt“ und zum religiösen Zentrum der antiken griechischen Welt. Schon wieder etwas gelernt.

Itea

8. Januar 2026 / Griechenland / Itea / Küste

Am Nachmittag bin ich noch ein ordentliches Stück in Richtung Südosten gefahren. Itea habe ich mir aus zwei Gründen als Übernachtungsort ausgewählt: Es liegt einerseits schön am Golf von Patras und ist andererseits nicht weit von Delphi entfernt, das ich morgen besuchen will. Ich habe bewusst entschieden, nicht auf der Autobahn zu fahren, weil man hier auch über die Landstrassen gut vorwärtskommt und deutlich mehr sieht. Unterwegs habe ich gemerkt, dass Autobahnfahren schwierig gewesen wäre. Protestierende Landwirte blockieren mit ihren Traktoren seit längerer Zeit etliche Autobahnen und wichtige Verkehrsknotenpunkte im ganzen Land. Heute hatte ich noch Glück und musste bloss einmal eine kurze Umleitung in Kauf nehmen. Ich bin gespannt, wie das Richtung Athen weitergeht.

Meteora Landschaft

8. Januar 2026 / Griechenland / Meteora / Landschaft

Nicht nur die Meteora Klöster sind spektakulär, sondern auch die Landschaft, die sie umgeben. Diese ist geprägt von 400 bis 600 Meter hohen Sandsteinfelsen, die zum Teil wie riesige Nadeln in den Himmel ragen. Die meisten Felsen sind mit Flechten, Moosen und Gräsern bewachsen, was mich stark an Irland erinnert hat. Allein die Landschaft ist einen Besuch wert.

Meteora-Kloster Meteoron

8. Januar 2026 / Griechenland / Meteora / Kloster Meteoron

Ursprünglich wurden in der Felslandschaft nördlich von Kalambaka 24 Klöster errichtet. Von diesen sind heute noch sechs bewohnt und können besichtigt werden. Die Bauten all dieser sechs Klöster sind absolut spektakulär. Alle scheinen auf einem Sandsteinfelsen zu schweben und galten einst als uneinnehmbare Rückzugsorte für die Mönche. Die Zugänge wurden in der Zwischenzeit touristengerecht ausgebaut. Ganz ohne Anstrengung kann man die Klöster aber nicht besuchen, was ich auch gut finde.

Meteora-Kloster Varlaam

8. Januar 2026 / Griechenland / Meteora / Kloster Varlaam

Der Wettergott hatte ein Einsehen mit mir und den anderen Reisenden und hat uns einen ordentlich schönen Tag beschert. Nicht perfekt, aber doch recht viel Sonne mit vorbeiziehenden Wolken und nur ein zwei kurzen Regenschauern zwischendurch. Die Meteora-Klöster haben es auch verdient, dass man sie bei ordentlichem Wetter besucht. Es ist extrem eindrücklich, was für Bauwerke hier ab dem 14. Jahrhundert auf hohen Sandsteinfelsen erschaffen wurden. Ich ziehe den Hut vor den damaligen Baumeistern und Handwerkern, die mit bescheidenen Mitteln wahre Wunderwerke geschaffen haben.

Regenzeit

7. Januar 2026 / Griechenland / Kalambaka / Fluss Pinios

Es regnet, und regnet, und regnet. Den fünften Tag in Folge habe ich nun schon Regen. Die Flüsse bringen viel Wasser mit sich, wie hier der Pinios bei Kalambaka. Und es soll gemäss meiner Wetter-App mindestens eine Woche lang weiter regnen. Zumindest für die Adriaküste wird das vorhergesagt. Auf der Ostseite Griechenlands soll das Wetter hingegen deutlich besser sein. Ich habe mich daher entschlossen, in den Osten zu wechseln. Dort muss ich für meinen Flug zurück in die Schweiz ohnehin hin. Dieser rasche Seitenwechsel entspricht nicht ganz meiner ursprünglichen Planung. Aber irgendwann hat man das Nass von oben satt. Und schliesslich ist man ja flexibel. Bevor ich mich ostwärts verschiebe, möchte ich mir aber noch die spektakulären Meteora Klöster anschauen. Hier sehen die Wetterprognosen für morgen gar nicht so schlecht aus. Mal schauen, wie treffsicher die griechischen Wetterfrösche sind.

Ioannina

6. Januar 2026 / Griechenland / Ioannina / Ottoman Baths

In zwei bis drei Tagen sollte es möglich sein, aus der Schweiz nach Griechenland zu reisen. Ich habe mir für die Fahrt durch den westlichen Balkan fünfeinhalb Wochen Zeit gelassen und möchte keinen einzigen Tag dieser Reise missen. Die Ankunft in Hellas war heute etwas schwierig. Die Einreise nach Albanien hat vor einer Woche zweieinhalb Minuten gedauert, die Einreise nach Griechenland heute zweieinhalb Stunden (wobei eineinhalb Stunden auf die Kappe der Albaner gehen). Dann hat es den ganzen Tag fast ununterbrochen geregnet. Und der geplante Grosseinkauf von Lebensmitteln, den ich für heute eingeplant hatte, viel auch ins Wasser, weil hier heute ein Feiertag ist. In nächster Zeit kann es ja fast nur noch besser werden. Immerhin hat mir der Spaziergang durch Ioanninas Altstadt gut gefallen. Eine interessante Stadt, die schön am Pamvotida-See liegt und von der aus man Schifffahrten zur sehenswerten Ioannina-Insel unternehmen kann.