Dreierbande

21. August 2025 / Schweden / Glommersträsk / Renntiere

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Tagtäglich schauen wir uns nach einem Elch um. Begegnet ist uns leider noch keiner. Über eine halbe Million Elche soll es in Skandinavien geben. Einer davon könnte sich wirklich einmal blicken lassen. Die Tiere sind aber recht scheu und die Wälder, in denen sie sich verstecken können, unendlich gross. Wir geben aber nicht auf und schauen uns weiterhin um. Immerhin haben wir heute ein Reh und einige Rentiere gesehen. Die Rentiere hier in Schweden sind viel scheuer als die in Finnland und Norwegen. Wenn man dann schon das Glück hat, dass einem gleich drei Stück vor der Linse vorbeilaufen, kommt man kaum darum herum, sie in den Blog aufzunehmen.

Lappstaden in Arvidsjaur

21. August 2025 / Schweden / Arvidsjaur / Lappstaden

Arvidsjaur ist eine fünftausend Einwohner zählende Gemeinde in Schwedisch Lappland. In Arvidsjaur sollen noch etwa zwanzig Familien der Samen nach ihrer alten Tradition leben, die sich auf Rentierhaltung und Kunsthandwerk konzentriert. Diese Familien leben aber tief in den unendlich grossen Wäldern, so dass man nichts von ihnen mitbekommt. Interessant ist aber die Besichtigung der Lappstaden, der Kirchenstadt von Arvidsjaur. Diese umfasst etwa achtzig gut erhaltene Holzhäuser aus dem 17. Jahrhundert. Die meisten der Hütten werden noch heute genutzt. Die Samen verwenden sie als Unterkunft, wenn sie zum Gottesdienst oder zu Festen in die Stadt reisen.

Es geht südwärts

20. August 2025 / Schweden / Moskosel / Burmabrücke beim Rastplatz Ljusselforsen

Heute Mittag haben wir zum zweiten Mal den Polarkreis überschritten. Dieses Mal in südlicher Richtung. Wir sind nun seit sechseinhalb Wochen unterwegs und Hopo hat auf dieser Reise bereits 8’400 Kilometer bewältigt. Das nächste grössere Ziel ist Stockholm, das noch mindestens neunhundert Kilometer entfernt liegt. Wie rasch wir voranschreiten hängt stark vom Wetter ab. Das Fahren hier oben ist recht entspannend. Die Strassen sind gut und es gibt kaum Verkehr. Über lange Strecken geht es durch endlose Wälder, die von einer Vielzahl kleiner Seen und von Sümpfen durchsetzt sind. Herrlich! Gelegentlich trifft man auf Rentiere, bisher leider noch auf keinen Elch. Und so alle fünfzig Kilometer gibt es einen tollen Rastplatz wie den am Fluss Piteälven.

Die Skisaison steht an

20. August 2025 / Schweden / Kabdalis / Skigebiet

Bei unserer Fahrt durch Schwedisch-Lappland sind uns heute plötzlich weisse Hänge aufgefallen, die wie Skipisten aussahen. Logisch, dass wir einen Zwischenstopp einlegen mussten. Wir sind in Kabdalis gelandet, einem kleinen Skigebiet in Schwedens Norden mit vier Sesselliften und neun Kilometern Piste. Kabdalis ist bekannt für seine frühe Saisoneröffnung. Im kommenden Winter sollen die Lifte bereits ab dem 18. Oktober laufen und bis zum 3. Mai in Betrieb bleiben. Dabei liegt die Talstation bloss auf 360 Metern Höhe, die Bergstation auf 570 Metern. Wie geht das? Durch Snowfarming. Am Ende der Wintersaison wird Schnee auf den Pisten zusammengeschoben und in Depots gelagert. Diese Depots werden mit Isolationsplatten und Vlies abgedeckt, um den Schnee vor dem Schmelzen zu schützen. Im Herbst wird der gelagerte Schnee dann auf die Pisten verteilt. Auch noch interessant: da wir hier nahe beim Polarkreis sind ist Skifahren nur bei Flutlicht möglich.

Vassaraträsket-See

19. August 2025 / Schweden / Gällivare / Strand beim Sandviksvägen

Wir haben wieder einmal viel gesehen und erlebt. Zur Erholung haben wir uns ein tolles Plätzchen am Vassaraträsket-See nahe Gällivare ausgesucht. „Es lächelt der See, er ladet zum Bade“ ist ein bekanntes Zitat aus Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“. Der See hat tatsächlich gelächelt. Die heutige Maximaltemperatur von 12 Grad stellte für uns Warmduscher aber eine unüberwindbare Hemmschwelle dar.

Modernes Lappland

19. August 2025 / Schweden / Gällivare / Kunskapshuset

Gällivare gehört zum Siedlungsgebiet der Samen. Hier werden noch alte Traditionen gelebt. Es gibt zum Teil aber auch recht Modernes. Ein Beispiel dafür ist das Wissenshaus, das 2020 in Gällivare eröffnet wurde. Das Gebäude wurde vom Bergbauunternehmen LKAB im Rahmen der Stadtumgestaltung finanziert, die aufgrund der durch den Bergbau verursachten Erdsenkungen notwendig wird.

Kirche von Gällivare

19. August 2025 / Schweden / Gällivare / Gällivare kirke

Wir können alle beruhigen, die das Gefühl haben, dass es in Nordschweden nur noch rollende Kirchen gibt. Diejenige von Gällivare steht fest am Boden, wie eh und je. Ob das noch sehr lange so sein wird ist allerdings unklar. Auch Gällivare ist eine Bergbaustadt und ihr wird es wohl ähnlich ergehen wie Kiruna. Der Eisenerzabbau führt auch hier dazu, dass sich der Boden senkt und instabil wird. Dies gefährdet Gebäude und Infrastruktur, weshalb Teile der Stadt umgesiedelt werden müssen. In Gällivare ist allerdings noch unklar, wie gross der Umfang der Umsiedlung sein wird.

Technische Meisterleistung

19. August 2025 / Schweden / Kiruna / Kirchenumzug

Dem Umzug einer 672 Tonnen schweren Kirche beiwohnen zu dürfen versetzt einem in Staunen. Dahinter steckt eine technische Meisterleistung. Die Planung hat drei Jahre gedauert, die Vorbereitungsarbeiten ein Jahr. Unter die 113 Jahre alte Kirche wurden 56 Träger geschoben. Diese wurden dann auf zwei mit Rädern ausgestattete Plattformen gehoben. Für den Transportweg musste eine über 5 Kilometer lange und 24 Meter breite Strasse neu angelegt werden. Auf dieser bewegt sich die Kirche nun im gemächlichen Schritttempo voran. Wir haben dem Umzugsspektakel bis heute Mittag zugeschaut. In knapp vier Stunden wurden 1’300 Meter zurückgelegt. Alles scheint nach Programm abzulaufen. Wir staunen und ziehen den Hut vor allen, die zum erfolgreichen Umzug beigetragen haben.

Eine Kirche zieht um

19. August 2025 / Schweden / Kiruna / Kirchenumzug

Wer in Schweden mit einem Fahrzeug unterwegs ist, sollte vorsichtig sein: Gut möglich, dass einem in einer Kurve eine Kirche entgegen fährt. Nein, ein Kirchenumzug ist natürlich auch in Schweden eine exklusive Sache, die man nur höchst selten erleben kann. Wir wussten im Voraus nichts davon und es ist ein riesiger Zufall und ein grosses Glück, dass wir ausgerechnet gestern nach Kiruna gereist sind. Wir hatten schon öfter das Gefühl, genau im richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. So zutreffend wie heute war das aber wohl noch nie.

Kirchplatz ohne Kirche

19. August 2025 / Schweden / Kiruna / Kirchplatz ohne Kirche

Ich schwöre es: Hier stand gestern Abend noch eine Kirche. Und ich habe Zeugen, die das belegen können. Laut Programm begann der Umzug heute Morgen um acht Uhr mit der Segnung der Kirche. Dann wurden die Maschinen in Bewegung gesetzt. Als wir um Viertel nach neun Uhr aufkreuzten, war die Kirche bereits weg. Einzig der Kirchturm, der in einem gewissen Abstand zur Kirche erbaut wurde, war noch zu sehen. Und ein Kirchplatz ohne Kirche.